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Fördernde KooperaonspartnerInnen Bildmaterial, Bild - Videonachweis Privatarchive, WKO – Archiv (Wirtschaſtskammer), VGA –Archiv Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Sſtung Bruno Kreisky Archiv, Archiv der Arbeiterkammer Wien, ORF – Österreichischer Rundfunk, Steiermärkisches Landesarchiv, Ausstellung „Gastarbajteri“ (Iniave Minderheiten / Wien Museum 2004) Idee, Projektleitung: Ali Özbaş Kuraerung: Joachim Hainzl, Ali Özbaş Wissenschaſtliche Mitarbeit, Archivforschung: Joachim Hainzl, Handan Özbaş Assistenz, Gestaltung, Recherche: Joachim Hainzl, Handan Özbaş Grafische Konzepon, Layout: Andreas Brandstäer Kommunikaon und Medien: Handan Özbaş Weitere MitarbeiterInnen: Kübra Atasoy, Merve Bursalı, Aurel Huer, Melanie Chung, Alexander Just, Sonja Kinzer, Sila Kaya, Coşkun Kesici, Serap Nergiz, Selin Atalay, Wolfgang Bauschmid, Erdal Gördük, Cenk Gündoğdu, Cornelia Kogoj, Mesut Onay, Berna Karayılan, Imre Withalm, Firat Alban u.a. AVUSTURYA! ÖSTERREICH! 50 JAHRE TÜRKISCHE GASTARBEIT IN ÖSTERREICH Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Verein JUKUS – Verein zur Förderung von Jugend, Kultur & Sport Redaktionsadresse: Annenstraße 39, 8020 Graz www.jukus.at, offi[email protected], Tel: +43 (0)316 722 865, Fax: +43 (0)316 722 911 Avusturya! Österreich! 50 Jahre türkische Gastarbeit in Österreich Anfang der 1960er Jahre kamen aus der Türkei die ersten jungen GastarbeiterInnen mit Zug und Bus nach Österreich. „Wir riefen Arbeitskräſte, und es kamen Menschen“, sagte der bekannte Schweizer Schriſtsteller Max Frisch. Am runden Tisch von „Avusturya! Österreich!“ finden diese GastarbeiterInnen eigene Worte und erzählen ihre Geschichten. Roundtable / ZeitzeugInnengespräche Roundtable 1 Zeit: Montag, 15. Dezember, 15:00 Uhr Ort: GrazMuseum/Gosche Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz Moderaon: Barış Koç, BA und Firat Alban, BSc Anmeldung bis 14. Dez. 2014: [email protected] Rundgang 1 - mit Mahmut Alban und Joachim Hainzl Zeit: Montag, 8. Dezember 2014, Beginn 14:00 Uhr Treffpunkt: Graz, Hauptbahnhof, Platz vor der Eingangshalle Anmeldung bis 7. Dezember 2014 unter [email protected] Stadtrundgänge Als Mahmut Alban 1973 von der Großstadt Istanbul in das verschlafene Graz kam, war er einer der ersten Arbeitsmigrant(Inn)en aus der Türkei in der Stadt. In unserem ersten Rundgang begeben wir uns gemeinsam mit Mahmut Alban zurück in seine ersten Jahre in Graz und erfahren, wie er die Stadt erlebt hat, in der es damals noch kaum eine eigene Infrastruktur für „Gastarbeiter“ gab, unter welchen Bedingungen er hier gearbeitet und gewohnt und wie er seine Freizeit verbracht hat. Finissage/ Film Die 2000 Kilometer lange E5 zieht sich quer durch Europa bis Istanbul. Bis in die 1990er Jahre hinein war sie die Hauptverbindung der südeuropäischen ArbeitsmigrantInnen mit ihrer Heimat, da die Reise mit dem Flugzeug unerschwinglich war. So war die „Gastarbeiterroute“ eine Strecke des permanenten Transits, völlig überlastet und als „Todesstrecke“ verrufen. Tunçel Kurz, der wohl bekannteste türkische Schauspieler, bereiste 1978 von Berlin aus die E5, um Töne, Bilder und Smmen zusammenzutragen, die inzwischen längst zu einer Legende geworden sind. 3.12.- 22.12.2014 AUSSTELLUNG zum Thema: „Es wurden Arbeiter gerufen, doch es kamen Menschen an“ Über den Umgang des Einwanderungslandes Österreich mit der Arbeitsmigration Diskussion Zeit: Donnerstag, 11. Dezember 2014, 19:00- 21:00 Uhr Ort: GrazMuseum/Gosche Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz Begrüßung und Einführung Ali Özbaş (Verein JUKUS) Migraon – Arbeit – Geschlecht ao.Univ.-Prof. in Dr. in Sylvia Hahn (Universität Salzburg) Nach der Gastarbeit: Österreich auf der Suche nach einem neuen Einwanderungskonzept Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann (Universität Wien) Frauen in der Migraon Sidar Carman (Vorsitzende des Bundesverbands der Migrannnen in Deutschland) Anschließend Diskussion Moderaon: Manfred Kinzer Diskussion Anmeldung und Rückfragen an: Mag. a Handan Özbaş Mail: [email protected] Telefon: +43 (0)316 722 865 Anmeldung bis 10. Dezember 2014 Filmvorführung Zeit: Montag, 22. Dezember 2014, 19:00 Uhr Ort: GrazMuseum/Gosche Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz Moderaon: Firat Alban, BSc In Kooperaon mit Rundgang 2 - mit Joachim Hainzl Zeit: Sonntag, 14. Dezember 2014, Beginn 14:00 Uhr Treffpunkt: Verein JUKUS, Annenstraße 39, 8020 Graz Anmeldung bis 13. Dezember 2014 unter [email protected] Mit dem vermehrten „Gastarbeiter“-Zuzug aus der Türkei wuchs nicht nur bei den MigrantInnen selbst die Nachfrage nach Konsumgütern aus der Heimat. Kebab und „türkische Greisler“ wurden seit den 1980er Jahren Teil der Grazer Fasood- und Nahversorgungskultur. Neben Selbstständigen, die Geschäſte, Dienstleistungsbetriebe und Unternehmen auauten, wurden zudem zahlreiche Kulturvereine, Moscheen und polische Vereinslokale als Orte des Zusammenkommens gegründet. Doch nicht alle kommen mit dieser sichtbaren Entwicklung der durch (migransche) ArbeiterInnenkultur geprägten alten Vorstädte Lend und Gries zurecht. „Ich bin am 30. Mai 1973 um 4 Uhr am Grazer Hauptbahnhof ausgestiegen“ „Little Istanbul“ Roundtable 2 Zeit: Donnerstag, 18. Dezember, 15:00 Uhr Ort: GrazMuseum/Gosche Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz Moderaon: Kübra Atasoy, BA Anmeldung bis 17. Dez. 2014: [email protected] Filmtel: E5 - Die Todesstrecke Jahr: 1978 Genre: Dokumentarfilm/Roadmovie Regie: Tunçel Kurz Laufzeit: 60 min.

3.12.- 22.12.2014 Diskussion Stadtrundgänge Roundtablejukus.at/sites/default/files/uploads/Veranstaltungen Folder GrazMuseum_web.pdf · Steiermärkisches Landesarchiv, Ausstellung

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Page 1: 3.12.- 22.12.2014 Diskussion Stadtrundgänge Roundtablejukus.at/sites/default/files/uploads/Veranstaltungen Folder GrazMuseum_web.pdf · Steiermärkisches Landesarchiv, Ausstellung

Fördernde

KooperationspartnerInnen

Bildmaterial, Bild - VideonachweisPrivatarchive, WKO – Archiv (Wirtschaftskammer), VGA – Archiv Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung,

Stiftung Bruno Kreisky Archiv, Archiv der Arbeiterkammer Wien, ORF – Österreichischer Rundfunk, Steiermärkisches Landesarchiv, Ausstellung „Gastarbajteri“ (Initiative Minderheiten / Wien Museum 2004)

Idee, Projektleitung: Ali ÖzbaşKuratierung: Joachim Hainzl, Ali Özbaş

Wissenschaftliche Mitarbeit, Archivforschung: Joachim Hainzl, Handan Özbaş Assistenz, Gestaltung, Recherche: Joachim Hainzl, Handan Özbaş

Grafische Konzeption, Layout: Andreas BrandstätterKommunikation und Medien: Handan Özbaş

Weitere MitarbeiterInnen: Kübra Atasoy, Merve Bursalı, Aurel Hutter, Melanie Chung, Alexander Just, Sonja Kinzer, Sila Kaya, Coşkun Kesici, Serap Nergiz, Selin Atalay, Wolfgang Bauschmid, Erdal Gördük,

Cenk Gündoğdu, Cornelia Kogoj, Mesut Onay, Berna Karayılan, Imre Withalm, Firat Alban u.a.

AVUSTURYA! ÖSTERREICH!

50 JAHRE TÜRKISCHEGASTARBEIT IN ÖSTERREICH

Impressum: Herausgeber und Medieninhaber: Verein JUKUS – Verein zur Förderung von Jugend, Kultur & SportRedaktionsadresse: Annenstraße 39, 8020 Grazwww.jukus.at, [email protected], Tel: +43 (0)316 722 865, Fax: +43 (0)316 722 911

Avusturya! Österreich! 50 Jahre türkische Gastarbeit in Österreich Anfang der 1960er Jahre kamen aus der Türkei

die ersten jungen GastarbeiterInnen mit Zug und Bus nach Österreich. „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“, sagte der bekannte

Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Am runden Tisch von „Avusturya! Österreich!“ finden diese GastarbeiterInnen eigene Worte und erzählen ihre Geschichten.

Roundtable / ZeitzeugInnengespräche

Roundtable 1

Zeit: Montag, 15. Dezember, 15:00 UhrOrt: GrazMuseum/Gotische Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz

Moderation: Barış Koç, BA und Firat Alban, BSc

Anmeldung bis 14. Dez. 2014: [email protected]

Rundgang 1 - mit Mahmut Alban und Joachim Hainzl

Zeit: Montag, 8. Dezember 2014, Beginn 14:00 Uhr Treffpunkt: Graz, Hauptbahnhof, Platz vor der Eingangshalle

Anmeldung bis 7. Dezember 2014 unter [email protected]

Stadtrundgänge

Als Mahmut Alban 1973 von der Großstadt Istanbul in das verschlafene Graz kam, war er einer der ersten Arbeitsmigrant(Inn)en aus der Türkei in der Stadt. In unserem ersten Rundgang begeben wir uns gemeinsam mit Mahmut Alban zurück in

seine ersten Jahre in Graz und erfahren, wie er die Stadt erlebt hat, in der es damals noch kaum eine eigene Infrastruktur für „Gastarbeiter“ gab, unter welchen Bedingungen er hier gearbeitet und gewohnt und wie er seine Freizeit verbracht hat.

Finissage/ FilmDie 2000 Kilometer lange E5 zieht sich quer durch Europa bis Istanbul. Bis in die 1990er Jahre hinein war sie die Hauptverbindung der südeuropäischen ArbeitsmigrantInnen mit ihrer Heimat, da die Reise mit dem Flugzeug unerschwinglich war. So war die „Gastarbeiterroute“ eine Strecke des

permanenten Transits, völlig überlastet und als „Todesstrecke“ verrufen. Tunçel Kurtiz, der wohl bekannteste türkische Schauspieler, bereiste 1978 von Berlin aus die E5, um Töne, Bilder und Stimmen zusammenzutragen, die inzwischen längst zu einer Legende geworden sind.

3.12.- 22.12.2014 AUSSTELLUNG

zum Thema:

„Es wurden Arbeiter gerufen, doch es kamen Menschen an“Über den Umgang des Einwanderungslandes Österreich mit der Arbeitsmigration

Diskussion

Zeit: Donnerstag, 11. Dezember 2014, 19:00- 21:00 Uhr Ort: GrazMuseum/Gotische Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz

Begrüßung und Einführung

Ali Özbaş (Verein JUKUS)

Migration – Arbeit – Geschlecht

ao.Univ.-Prof.in Dr.in Sylvia Hahn (Universität Salzburg)

Nach der Gastarbeit: Österreich auf der Suche nach einem neuen Einwanderungskonzept

Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann (Universität Wien)

Frauen in der Migration

Sidar Carman (Vorsitzende des Bundesverbands der Migrantinnen in Deutschland)

Anschließend Diskussion

Moderation: Manfred Kinzer

Diskussion

Anmeldung und Rückfragen an:Mag.a Handan ÖzbaşMail: [email protected] – Telefon: +43 (0)316 722 865 Anmeldung bis 10. Dezember 2014

Filmvorführung

Zeit: Montag, 22. Dezember 2014, 19:00 UhrOrt: GrazMuseum/Gotische Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz

Moderation: Firat Alban, BSc

In Kooperation mit

Rundgang 2 - mit Joachim Hainzl

Zeit: Sonntag, 14. Dezember 2014, Beginn 14:00 Uhr Treffpunkt: Verein JUKUS, Annenstraße 39, 8020 Graz

Anmeldung bis 13. Dezember 2014 unter [email protected]

Mit dem vermehrten „Gastarbeiter“-Zuzug aus der Türkei wuchs nicht nur bei den MigrantInnen selbst die Nachfrage nach Konsumgütern aus der Heimat. Kebab und „türkische Greisler“ wurden seit den 1980er Jahren Teil der Grazer Fastfood- und Nahversorgungskultur. Neben Selbstständigen, die Geschäfte, Dienstleistungsbetriebe und

Unternehmen aufbauten, wurden zudem zahlreiche Kulturvereine, Moscheen und politische Vereinslokale als Orte des Zusammenkommens gegründet. Doch nicht alle kommen mit dieser sichtbaren Entwicklung der durch (migrantische) ArbeiterInnenkultur geprägten alten Vorstädte Lend und Gries zurecht.

„Ich bin am 30. Mai 1973 um 4 Uhr am Grazer Hauptbahnhof ausgestiegen“

„Little Istanbul“

Roundtable 2

Zeit: Donnerstag, 18. Dezember, 15:00 UhrOrt: GrazMuseum/Gotische Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz

Moderation: Kübra Atasoy, BA

Anmeldung bis 17. Dez. 2014: [email protected]

Filmtitel: E5 - Die TodesstreckeJahr: 1978Genre: Dokumentarfilm/RoadmovieRegie: Tunçel KurtizLaufzeit: 60 min.

Page 2: 3.12.- 22.12.2014 Diskussion Stadtrundgänge Roundtablejukus.at/sites/default/files/uploads/Veranstaltungen Folder GrazMuseum_web.pdf · Steiermärkisches Landesarchiv, Ausstellung

„Ich kann nicht verstehen, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich habe immer gedacht, dass mein Mann und, ich mit der Zeit reicher und glücklicher werden würden und dass sich die harte Arbeit einmal auszahlen würde. Aber jetzt sind schon 50 Jahre vergangen und wir können uns immer noch nicht daran gewöhnen“, lautet das bittere Resümee einer türkischen Gastarbeiterin der ersten Stunde.

Anfang der 1960er Jahre kamen aufgrund des am 15. Mai 1964 abgeschlossenen Anwerbeabkommens mit der Türkei die ersten jungen GastarbeiterInnen mit Zügen und Bussen aus der Türkei nach Österreich. Über diese Menschen und ihr Leben in unserem Land kursieren zwar viele Vorurteile, tatsächlich aber weiß man sehr wenig über sie. Nun haben einige von ihnen Worte für ihre Geschichte gefunden: Die Ausstellung „Avusturya! Österreich!“ erlaubt uns einen Blick in die Lebens- und Gefühlswelt dieser MigrantInnen. Seit 2012 recherchieren und interviewen MitarbeiterInnen des Vereins JUKUS türkische und kurdische MigrantInnen der ersten Generation. Dabei wurden über 30 Interviews in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol, der Steiermark und Vorarlberg geführt. Das erarbeitete Datenmaterial ist ein wichtiger Beitrag zur österreichischen Zeitgeschichte und wird mit der Ausstellung „Avusturya! Österreich!“ auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Avusturya! Österreich!“ zeigt von 3. bis 22. Dezember 2014 neben einer chronologischen Aufarbeitung der Migrationsgeschichte Fotoporträts der Interviewten und Auszüge aus deren privaten Fotoalben. Ergänzt werden die Bilder von Sprüchen, Zitaten und Witzen der Porträtierten, um die vielen Facetten ihrer

gesellschaftlichen Wirklichkeit aufzuzeigen. Die Ausstellung wird von dem Sozialhistoriker Joachim Hainzl sowie dem Projektleiter Ali Özbaş kuratiert und soll einen Eindruck von der Vielfalt der Tätigkeiten, Alltagskulturen und sozialen Schichten der MigrantInnen vermitteln.

Prozesse des Werdens, nicht des Seins

In den 50 Jahren, die seit dem bilateralen Anwerbeabkommen für sogenannte Gastarbeiter vergangen sind, ist das normative, bodenständige „Wir“ der Stadt zugunsten höherer migrantischer Heterogenität endgültig verloren gegangen, wiewohl die Stadt schon früher vom Nebeneinander der (identifikationsbereiten) Ankommenden und Bleibenden geprägt war. Wenn das GrazMuseum Gastgeber für das Projekt des Vereins JUKUS „Avusturya! Österreich! 50 Jahre türkische Gastarbeit in Österreich“ sein kann, so tun wir das sehr gerne und aus inhaltlicher Überzeugung.

Wir denken, dass kulturwissenschaftliche Museen als Zentren der Definitionsmacht nicht nur für das Vergangene, für die Zeugen hegemonialer Kultur, für das Bildungsbürgerliche zuständig sind, sondern vor allem an einem alternativen, nicht homogenen und ambivalenten Kulturbegriff arbeiten sollten. Als Stadtmuseum können wir nicht die Augen schließen vor einer krisenhaften und widersprüchlichen städtischen Identität. Ein zeitgenössisches Museum wie unseres kann wohl nicht anders, als ein permanentes Identitätslabor zu sein im Sinne des Verstehens der Unterschiedlichkeiten bezogen auf Geschlecht, Herkunft, Alter, Beeinträchtigungen, Religion oder soziale Schicht. Das Identitätslabor, das ein zeitgenössisches

Kulturmuseum auf der Suche nach Migrationsgeschichte und vielfach gespiegelten (Mehrfach-)Identitäten wohl auch sein muss, ist keines von wissenschaftlich-distanzierter Abgeschiedenheit, vielmehr ein umkämpftes Aktionsfeld, ein partizipativer Verhandlungsort zur offenen Neuformulierung von Stadt.

Wenn nun in „Avusturya! Österreich!“ die Lebens geschichten der ersten GastarbeiterInnen in Österreich dargestellt werden, also die Frage nach der Herkunft, nach den Wurzeln der ArbeitsmigrantInnen im Vordergrund steht, so wird damit wohl auch die Frage nach ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft in unserer Gesellschaft gestellt. „Tatsächlich“, sagt der englische Soziologe Stuart Hall, „geht es bei Identitäten darum, die Ressourcen von Geschichte, Sprache und Kultur für einen Prozess des Werdens, nicht des Seins zu mobilisieren.“ 1 Die sogenannten „Fremden“ als „Grenzgänger zwischen zwei Kulturen“, wie der amerikanische Soziologe Robert Ezra Park seinen Sozialtypus des Mannes am Rande, des „marginal man“, definierte, sind zunehmend zu TrägerInnen des kulturellen Wandels und zur Verkörperung moderner Subjektivität 2, ja zum modernen Subjekt schlechthin geworden. So gesehen erzählen die Lebensgeschichten der ersten GastarbeiterInnen nicht nur Geschichte, sondern nutzen diese für den entscheidenden Prozess des Werdens.

Otto Hochreiter (Direktor GrazMuseum)

Vorwort Eröffnung

Eröffnung der Ausstellung: „Avusturya! Österreich! 50 Jahre türkische Gastarbeit in Österreich“

GrazMuseumSackstraße 18, 8010 Graz

Telefon: +43 (0)316 872-7600 – Fax: +43 (0)316 872-7609Mail: [email protected] – Web: www.grazmuseum.at

ÖffnungszeitenMittwoch - Montag von jeweils 10:00 bis 17:00 Uhr (täglich außer dienstags)

Freier Eintritt! Freier Eintritt und freie Führungen mit Voranmeldung für alle!

Führungen für Gruppen aller Altersstufen auf AnfrageAnmeldungen und Information unter [email protected] und telefonisch unter +43 (0)316 872-7600

FührungenKuratorenführungen und SchülerInnenführungen werden kostenlos angeboten. Kuratorenführungen:

1.) Mittwoch, 10. Dezember 2014, 17:00 Uhr (Ali Özbaş/Joachim Hainzl) 2.) Samstag, 20. Dezember 2014, 15:00 Uhr (Ali Özbaş)

Weitere Führungen im Museum werden vom Imre Withalm und vom Vermittlungsteam des GrazMuseums angeboten. Anmeldungen unter [email protected]

VerkehrsverbindungAlle Straßenbahnen, Haltestelle Hauptplatz bzw. Schloßbergplatz

Kontaktperson: Mag.a Handan ÖzbaşMail: [email protected] – Telefon: +43 (0)316 722 865 – Fax: +43 (0)316 722 911 – Web: www.jukus.at

Avusturya! Österreich! 50 Jahre türkische Gastarbeit in Österreich

Ausstellungsdauer: 3.12.- 22.12.2014

Eröffnung

Zeit: Dienstag, 2. Dezember 2014, 19:00 UhrOrt: GrazMuseum/Gotische Halle, Sackstraße 18, 8010 Graz

19:00 - 20:00 Uhr

Begrüßung und Eröffnungsworte:

Otto Hochreiter, MA (Direktor GrazMuseum)Ali Özbaş (Verein JUKUS) Mag. Joachim Hainzl (Verein Xenos)Lisa Rücker (Stadträtin) Dr.in Bettina Vollath (Landesrätin für Finanzen, Frauen und Integration) Alfred Stingl (Präsident-Stv. GKP, Bgm. a. D.)

Gäste: ZeitzeugInnen

Moderation: Firat Alban, BSc und Kübra Atasoy, BA

Musikalische Begleitung: Mare

20:00 - 21:00 Uhr Musikalischer Ausklang und Buffet

50 Jahre umfasst nun schon die Geschichte der Arbeitsmigration nach Österreich, etwas weniger der entsprechende Diskurs über Migration und „Integration“. Wenig gehörte Stimmen sind nach wie vor jene der MigrantInnen selbst. Herzstück dieses Buches sind daher die darin versammelten Interviews. Sie lassen sich als Bilder und Spiegelbilder lesen: Sie geben eine Fülle von Einblicken in verschiedene Lebenswirklichkeiten, Beweggründe, Schwierigkeiten, Träume u.v.m. von türkischen MigrantInnen der ersten Generation. Damit berühren sie, machen

unmittelbar verständlich, beschenken die LeserInnen und bereichern den Diskurs um Migration mit ihren realen Erfahrungen. Für Angehörige der Mehrheitsgesellschaft ergibt sich ein wohltuender Perspektivenwechsel: Der Blick auf MigrantInnen wird zu einem Blick auf österreichische Arbeitswelten, ÖsterreicherInnen und österreichische Politik aus deren Sicht. Die wissenschaftlichen Analysen und Essays ergänzen die individuellen Biografien. Sie halten Vorurteilen Fakten entgegen, überlegen Strategien und beziehen engagiert und kritisch Standpunkt.

BuchpräsentationPräsentation der Buchpublikation „50 Jahre türkische GAST(?)ARBEIT in Österreich“ im Rahmen der Ausstellung „Avusturya! Österreich!“

Präsentation des Buches Zeit: Donnerstag, 4. Dezember 2014, 18:30 UhrOrt: Radio Helsinki Funkhaus, Schönaugasse 8, 8010 Graz

Gäste:

Ali ÖzbaşMag. Joachim HainzlMag.a Verena LorberMag.a Asiye Sel

Moderation: Imre Withalm, BA

MİSAFİR (?) İŞÇİAvusturya‘da 50 yıllık

WISSENSCHAFTLICHE ANALYSEN | LEBENSGESCHICHTEN in Österreich

GAST (?) ARBEIT

50 Jahre türkische

BİLİMSEL ANALİZLER | HAYAT HİKAYELERİ

Ali Özbaş / Joachim Hainzl / Handan Özbaş (Hg.)

Ali Özbaş / Joachim Hainzl / Handan Özbaş (Hg.)50 Jahre türkische GAST(?)ARBEIT in ÖsterreichWissenschaftliche Analysen / Lebensgeschichten

Leykam Buchverlag376 SeitenDeutsch/TürkischISBN 978-3-7011-7934-3

Anmeldung und Rückfragen an:

Mag.a Handan ÖzbaşMail: [email protected] – Telefon: +43 (0)316 722 865

In Kooperation mit

1 Stuart Hall: Who Needs Identity? (Introduction), in: Hall/du Gay (Hg.): Questions of Cultural Identity, 1996, S. 4. Übersetzt von Markus Reisenleitner.2 Vgl. Rolf Lindner: Die Entdeckung der Stadtkultur. (über Ezra Park), Frankfurt/Main 1990, S. 211.