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180529 Baubetrieb Booklet Ansicht - hs-karlsruhe.de · tura libri decem“ des römischen Architekturlehrers Markus Vitruvius Pollio aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. verwiesen

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Text of 180529 Baubetrieb Booklet Ansicht - hs-karlsruhe.de · tura libri decem“ des römischen...

  • Vorwort 4

    1 LernenausderGeschichte 6

    Baubetrieb, schon bei den Römern 8

    Gesellschaftliches Umfeld vor 50 Jahren bei Gründung des Studiengangs 9

    Studiengangsgründung: Aus der Not die Einsicht 1 1

    Wissensaufbau im Baubetrieb über eine Schriftenreihe 1 4

    Vom Zeichenbrett zu CAD (seit 1993) 1 6

    Baubetrieb Karlsruhe erobert die Welt: 1. Masterkurs an einer deutschen FH 20

    Baumanagement als Weiterentwicklung des Baubetriebs 22

    2 Baubetriebheute 26

    Aktuelle Lehrfelder im Studiengang Baubetrieb, Baumanagement 27

    Immobilienmanagement (Prof. Carolin Bahr) 28

    Kalkulation im Bauwesen (Prof. Ralph Bartsch) 3 1

    Massivbau (Prof. Richard Harich) 34

    Baumanagement (Prof. Hermann Hütter) 36

    Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung (AVA)/Projektablaufplanung (Prof. Michael Korn) 38

    Bauverfahrenstechnik, Bautechnik und Unternehmensführung (Prof. Alexander Lange) 42

    Recht (Prof. Andreas Luckey) 45

    Entwerfen und Konstruieren: Baustatik und Holzbau (Prof. Robert Pawlowski) 47

    Baustoffe, Bauchemie (Prof. Karsten Schubert) 50

    Baubetriebswirtschaftslehre (Prof. Matthias Urmersbach) 53

    Ingenieurmathematik (Prof. Olga Wilderotter) 56

    Projekte, Symposien und angewandte Forschung 58

    Projekt: IngenieurHandwerk 58

    Projekt: Synergie Strukturen, Kloster Frauenalb – Bauen im Bestand 59

    Projekt: Ästhetik des Gleichgewichts 60

    Projekt: Monitoring von Dachtragwerken 6 1

    Forschungsprojekt: „Kostenoptimiertes Bauen (KoBau)“ (BMBF) 62

    Forschungsprojekt: „Anwenderzentrum ökonomisch nachhaltiger Immobilien“ (BMBF) 63

    Forschungsprojekt: „Planernetzwerk“ (BMBF) 64

    Projekt: „Entwicklung eines Hochbau-Instandhaltungsplanes für die ÖBB Infrastruktur AG“ 65

    Projekt: „Kosten- und Personalbedarf für das Betreiben technischer Anlagen“ 66

    Projekt: „Personalbemessung im Facility Management öffentlicher Einrichtungen“ 67

    Symposium: „Warum geht bauen in Deutschland schief? Ursachen und Lösungsvorschläge“ 68

    Highlights aus Exkursionen und dem Studienalltag 69

    Besondere Auslandsexkursionen: China und Japan, Gotthard-Basistunnel 69

    Aktuelle Baubetriebsexkursionen in Deutschland 7 1

    Corporate Identity: Bergtouren und Hüttenerfahrung 73

    Fußballturnier-Baubetrieb: eine neue Tradition 75

    Symposiums-Beiträge: Baubetrieb morgen 76

    BIM und Digitalisierung im Baubetrieb 76

    Baubetriebliche Kernkompetenzen im ÖPP-Projekt VIA A6 79

    Übertragung von Lean Prinzipien auf Großprojekte im Spezialtiefbau 83

    3 Baubetriebmorgen—Zukunftsvisionen 88

    4 Anhang 96

    Zeittafel Absolventen und Professoren des Studienganges BB/BM 1 0 1

    Externe Dozenten und Referenten 103

    Sponsoren und Firmen, die den Studiengang unterstützen 104

    Inhalt

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    Vorwort

    Baubetrieb als Studiengang besteht an der Hochschule Karlsruhe, Technik und Wirtschaft nun seit einhundert Semestern. Was hat die Verantwortlichen da-mals bewogen, den Studiengang „Baubetrieb“ zu gründen? Was können wir aus der Geschichte lernen, was waren Highlights und besondere Ideen innerhalb des Studiengangs in der Vergangenheit? Wo stehen wir heute? Mit welchen aktuellen Projekten, Lehrinhalten und Themen werden Studierende im Baubetrieb für die Planungs- und Bauwirtschaft ausgerüstet? Und in welche Richtung könnte sich Baubetrieb in einem Zeitsprung von 100 Semestern in der Zukunft entwickeln?

    Diesen Fragen geht das folgende Booklet auf den Grund und gliedert sich in 3 Bereiche: Lernen aus der Geschichte, Baubetrieb heute und Baubetrieb morgen. Ein weiteres Ziel des Booklets und des Symposiums „Baubetrieb morgen“ ist, eine gute Vernetzung unter den ehemaligen Studierenden mit Professoren, Lehrbeauf-tragten, aktuellen Studierenden und zukünftigen Interessenten zu erreichen. Das Gestaltungspotenzial, das wir gemeinsam innehaben ist unglaublich.

    Fest steht, dass sich die Welt, die Gesellschaft und so auch die Planungs- und Bau-wirtschaft ändert. Darin liegen viele Chancen und Herausforderungen zugleich. Es geht nicht darum alles neu zu gestalten und die Vergangenheit zu vergessen. Und doch geht es für uns als Studiengang und für jeden Einzelnen darum, sich bezüglich des Wandels zu hinterfragen, kontinuierlich weiter zu lernen und die Zukunft mit- zugestalten. Diesen Chancen und Herausforderungen wollen wir uns stellen.

    Ein herzlicher Dank gilt allen Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeitern, die in der Vergangenheit und heute sich dafür eingesetzt haben, dass Baumanagement und Baubetrieb als Studiengang erfolgreich in Karlsruhe etabliert wurde und über 2170 Absolventen unseres Studiengangs heute in der Planungs- und Bauwirtschaft arbeiten. Ein ganz besonderer Dank gilt Prof. Dr. Breunig, der sich sehr für das Gelingen dieses Booklets und Symposiums eingesetzt hat.

    Ebenfalls danken wir allen Unterstützern und Alumni, die mit dem Studiengang weiterhin in Verbindung stehen, die Exkursionen ermöglichen und die auch den Studiengang Baubetrieb innerhalb der Lehre, Forschung oder anderen Projekten unterstützen. Setzen Sie dieses Engagement bitte fort, denn damit können wir die Zukunft positiv mitgestalten.

    Karlsruhe,08.06.2018

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    Lernen aus der

    GeschichteBaubetrieb, bei den Römern, über die Gründungszeit des Studiengangs, bis heute...

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    Baubetrieb, schon bei den Römern

    In früheren Zeiten waren „Baumeister“ für alle Belange des Bauens zuständig und schon vor über 2000 Jahren gab es ganzheitliche Anweisungen für Entwurf und Ausführung. Als Beispiel sei auf die zehn Bücher über Architektur „de architec- tura libri decem“ des römischen Architekturlehrers Markus Vitruvius Pollio aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. verwiesen. Dort sind Ratschläge für die Anlage von ganzen Städten bis zu Details wie Mörtelmischungen enthalten.

    Die römischen Baumeister wurden in Westeuropa von den Bauhütten beerbt, die in der Romanik und Gotik gewaltige Sakralbauten errichteten und dabei eben-falls für das gesamte Bauwerk verantwortlich waren wie schon die Baumeister zu Hammurabis Zeiten. Immer lag der Berufsausübung der Meister und Gesellen eine handwerkliche Ausbildung zugrunde. Noch der große Barock- und Rokokobau-meister Balthasar Neumann, 1687 im böhmischen Eger geboren, hatte in Würzburg erst das Handwerk des Kanonengießers erlernt, bevor er das heutige Weltkultur-gut „Residenz der Würzburger Fürstbischöfe“ bauen durfte.

    Außerhalb der Residenzstädte baute man schon immer „nach den Regeln der Baukunst“ mithilfe der Leistungen spezialisierter kundiger Handwerker und Meis-ter, die in den Zünften organisiert waren, wo auch eine Qualitätskontrolle statt-fand. Im Zuge des Bevölkerungswachstums, der Industrialisierung und der Steige-rung des Bauvolumens erfolgte dann zunehmend eine differenzierte Behandlung der Aufgaben durch eine Vielzahl noch weiter spezialisierter Handwerker. In den Gründerjahren, als nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 beträchtliche Geld-mittel aus den von Frankreich zu leistenden Reparationen zur Verfügung standen, wuchs wiederum das Bauvolumen massiv. So war die Zeit reif für eine Aktualisie-rung und Differenzierung der Baumeisterausbildung.

    An vielen Orten im wiedererrichteten (Zweiten) Deutschen Reich wurden Schu-len zur Ausbildung einer neuen Generation von Bauschaffenden gegründet. So entsteht auch in Karlsruhe die spätere Fachhochschule und der Studiengang Bau-betrieb wie der folgende Auszug aus der Geschichte zeigt:

    1878 Gründung der Großherzoglichen Badischen Baugewerkeschule für Hochbau und 1893 für Tiefbau

    1919 Badische Höhere Technische Lehranstalt (Staatstechnikum)1963 Staatliche Ingenieurschule Karlsruhe 1968 Start des Fachbereichs Baubetrieb1971 Umbenennung zur Fachhochschule Karlsruhe (FH) und 2005 zu

    Hochschule für Technik und Wirtschaft2006 Start des Fachbereichs Baumanagement mit der Umstellung von

    Diplom (FH) auf Bachelor- und Master

    Gesellschaftliches Umfeld vor 50 Jahren bei Gründung des Studiengangs

    Was waren große Umbrüche des 20. Jahrhunderts, die zu Zeiten der Studien-gangsgründung eine gesellschaftliche Rolle spielten? Der erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, das Aufkommen des Kommunismus und des Nationalsozialis-mus, eine große Inflation, der zweite Weltkrieg und die Abwürfe zweier Atombom-ben. Der „kalte Krieg“ folgte dem „heißen“, bis gegen Ende des Jahrhunderts die sozialistisch bevormundeten Staaten Osteuropas dem wirtschaftlichen Charme des Kapitalismus erlagen. Nach dem ideologisch motivierten „Ost-West-Konflikt“ zeichnete sich ein neues Konfliktfeld ab, das Samuel P. Huntington zeitnah als „The Clash of Civilizations“ beschrieben hatte.

    Dagegen sehen die Ereignisse der 60er-Jahre weltweit und speziell in Deutsch-land eher bescheiden aus, aber völlig unwichtig waren sie nicht. Hierzu zählen z. B.:

    • der Bau der Berliner Mauer im August 1961• der Krieg in Vietnam mit weltweiten Gegendemonstrationen• das Drogenevent in Woodstock im August 1969• die Morde am US-Präsidenten John F. Kennedy und an Pastor Martin Luther King

    Berliner Mauerbau 1961

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    Studiengangsgründung: Aus der Not die Einsicht

    Die Vorteile der steigenden Abiturientenquote sind umstritten, so lag diese noch 1950 bei ca. 5 % eines Jahrgangs und bewegt sich inzwischen auf die 50 % zu. Kritiker sehen z. B. einen Zusammenhang zwischen höheren Abiturientenquoten und Jugendarbeitslosigkeit (vgl. FAZ 04.12.2014, R. Bölling). Zugleich bringt dies auch veränderte Anforderungen an die Hochschulen mit sich.

    Die Gründung des Fachbereichs „Baubetrieb“ kann als Glücksfall in stürmischen Zeiten der Hochschulpolitik gesehen werden. Dank der Bildungseuphorie, ausge-löst durch die befürchtete Bildungskatastrophe, wurde in Karlsruhe nicht nur ein neuer Campus für die Staatliche Ingenieurschule Karlsruhe errichtet, sondern die Gründung eines Baubetriebsstudiengangs betrieben. Die 3 Studiengänge des Bau-bereichs dieser Hochschule hatten dann die Zuständigkeit für:

    • die Architekten, die für die Ästhetik des Entwurfs verantwortlich sein sollten• die Bauingenieure, die für die Standfestigkeit der Bauwerke sorgen sollten• die Baubetriebler (später Baumanager), die für „schwarze Zahlen“ am Bau zu-

    ständig sein sollten

    In Deutschland setzte die große Koalition (1966-1969) die „Notstands-gesetze“ gegen den Widerstand einer außerparlamentarischen Opposition durch, aus deren Wurzelgeflecht eine zunehmende Gewaltbereitschaft er-wuchs. Am 11. April 1968 schoss der Hilfsarbeiter Josef Bachmann in Ber-lin dreimal auf den marxistischen Aktivisten Rudi Dutschke, der dabei schwere Hirnschäden erlitt. Am 1. Mai 1969 gründeten Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele in Berlin das Sozialistische Anwaltskollektiv, das Mitglieder der deutsch-terroristischen Gruppe RAF verteidigte.

    Das Gesamtbild wäre ohne weitere Mosaiksteine unvollständig, etwa die Sympathie westdeutscher Studenten-führer für kommunistische Diktatoren wie Fidel Castro, Ho Chi Minh und Mao Tse-Tung. Weiter gehören hierzu die Frauen-, Hippie- und Schwulenbe-wegung und die Sexuelle Revolution: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ und „last but not least“ der Kampf gegen (auch universitäre) Autoritäten: „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Im Vergleich zu heute waren zu Zeiten der Studiengangsgründung (1968) die Studierenden in Deutschland stark po-litisch aktiv und forderten die Politik und Gesellschaft provokativ heraus.

    Mit dem Schlagwort „Bildungskatas-trophe“ wurde damals in der Bundes-republik Deutschland der vermeintli-che Zustand des Bildungswesens beschrieben. In die Diskussion gebracht hat den Begriff Georg Picht mit einer 1964 in der Zeitschrift „Christ und Welt“ publizierten Artikelserie. Die Folgen waren zahlreiche Reformbemühungen, eine Vielzahl von Hochschulgesetzen, Neugründungen und Hochschulbauten, begleitet von einer stetigen Zunahme von Abiturienten und Studierenden.

    Krieg in VietnamFidel CastroMartin Luther King

    Mensa im Luftschutzkeller des Staatstechnikums 1960

  • 14 15

    Schon Ende der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren im Staat-lichen Hochbauamt Karlsruhe Pläne zu einer Erweiterung des Staatstechnikums (als Vorläufer der späteren Hochschule) in den nördlich der Moltkestraße gele-genen Hardtwald hinein entstanden. Die Erweiterung war dringend notwendig, herrschten doch laut BNN vom 4. Februar 1960 „skandalöse Zustände beim Stu-dentenmenu“, drängten sich doch bei lediglich 90 Sitzplätzen 650 Studenten in den Gängen der „Katakomben“. Letztere waren die früheren Luftschutzkeller des Staatstechnikums und hatten diesem zum Prädikat „Stall“ verholfen. Älteren Semestern mag diese Bezeichnung noch geläufig sein.

    Der Modellentwurf der Planungsgemein-schaft Seemann, Elsässer, Groh, Krause, Roßmann und Stroh lässt die tatsächlich realisierten Baukörper erkennen. Für die Baumaßnahme standen bis zu 50 Mio. DM zur Verfügung und die Fertigstellung war für 1968 vorgesehen.

    Für die beteiligten Firmen stellten die neu-en Fertigungstechniken unter Anwendung industriell auf der Baustelle hergestellter Betonfertigteile „Quellen der Erkenntnis“ dar, da man kalkulatorisch wie betriebstech-nisch Neuland betreten hatte. 150 Arbeiter erstellten innerhalb nur eines Jahres bis zum Frühjahr 1965 die 4 Hörsaalgebäude F, M, E und B im Rohbau mit umbautem Raum von insgesamt 150.000 Kubikmetern. Im Vergleich dazu dauert der aktuelle kleinere Neubau des P-Gebäudes auf dem Campus bereits über 3 Jahre.

    Das Bauvorhaben stellte damals gleichzeitig ein Beispiel für „Baubetrieb in der Praxis“ dar und war richtungweisend für die Lehrinhalte des zeitgleich in Gründung befindlichen neuen Studiengangs „Baubetrieb“. Die Neugründung erfolgte einer-seits auf Anregung der 3 am Neubau beteiligten Bauunternehmen. Andererseits trug sie dem Umstand Rechnung, dass nach den „fetten“ Jahren (Deckung des kriegsbedingten Nachholbedarfs) die deutsche Bauwirtschaft künftig auch mit schärfer gewordenem Wettbewerb zu rechnen und sich mit Kostenreduzierungen zu befassen hatte. So kam dem Baubetrieb als Disziplin eine dem „Wirtschaftsinge-nieurwesen“ vergleichbare Funktion zu.

    Der Modellentwurf der Hörsaalgebäude F, M, E und B von 1965

    zeigt die realisierten und bis heute bestehenden Baukörper.

    Staatstechnikum Karlsruhe

    Ehemaliges Signet des Fachbereichs Baubetrieb

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    Wissensaufbau im Baubetrieb über eine Schriftenreihe

    Die 144 Enzyklopädisten waren Kinder der Aufklärung und ihr Werk war zwischen 1751 und 1765 in Paris in 17 Textbänden erschienen. Ganz so anspruchsvoll war die Schriftenreihe „Beiträge zum Baubetrieb“ nicht angelegt, aber inspiriert war sie von den großen Vorbildern. Heinrich-Theodor Schmidt, einer der Gründerväter des Studiengangs, hatte mit Unterstützung einiger Baubetriebskollegen begon-nen, eigene Vorlesungsskripte in loser Folge zu veröffentlichen. Ein Vorhaben, das leider bald versandete.

    Rechtzeitig zur Harmonisierung des Europäischen Baumarktes begründete Prof. Dr. Bernd Breunig die Schriftenreihe neu, um ein mehrfaches Ziel anzustreben. Einerseits sollte eine Plattform geschaffen werden für die in relativ großer Zahl hervorragenden Diplomarbeiten, in denen gelegentlich neue Themenkreise be-handelt worden waren und deren Lektüre den Studierenden dringend ans Herz zu legen war. Für eine Ablage im Archiv waren die Inhalte einfach zu schade. Andererseits waren die Ergebnisse der Symposien über den Augenblick hinaus einer größeren Leserschaft zur Verfügung zu stellen und schließlich sollte Gele-genheit geboten werden, Vorlesungsmanuskripte und Reprints wichtiger Mono-graphien in wohlfeiler Ausstattung für den Vorlesungsbetrieb erwerben zu können.

    Der „Freundeskreis Baubetrieb“ erklärte sich zur Anschubfinanzierung der Reihe bereit und so erblickte Band Nr. 1 der „Schriftenreihe zum Baubetrieb“ 1992 das Licht der Welt. Nach mehreren Versuchen mit örtlichen, darunter auch der haus- eigenen Druckerei, wurde die endgültige Form und Ausstattung gefunden, die nach mehrfachen Änderungen (FH-Logo und „Studiengang Baubetrieb“ an Stelle des „Fachbereiches Baubetrieb“) in nunmehr endgültiger Fassung „steht“.

    Mit Beginn des Jahres 2002 übergab Prof. Dr. Bernd Breunig die Aufgabe an einen Kollegen. Für die Zukunft war geplant, auf neuer finanzieller Basis die Reihe weiterzuführen und dafür eine Internetplattform zu erstellen. Das Projekt wurde damals jedoch nicht fortgesetzt.

    Nachfolgende Bände wurden von Heinrich-Theodor Schmidt übernommen:

    NR09 Deckungsbeitragsrechnung in der Praxis der Bauunternehmen (Behrendt/Schmidt)

    NR10 Marketing im Bauwesen (Kutsch/Schiffers)NR12 Baubetriebliche Begriffe (Behrendt/Schmidt)NR21 Grunddaten und Methodik der baubetrieblichen Kalkulation,

    Lernprogramm zur Einführung (Dieter Behrendt)NR23 Baustellen – Einrichtungsplanung (Günther Rosenheinrich)NR24 Vorberechnungen zur Einzelkostenermittlung (Heinrich-Theodor

    Schmidt)NR26 Technische Nachkalkulation in der Bauunternehmung

    (Heinrich-Theodor Schmidt)

    Neu aufgenommen wurden die nachfolgenden Bände:

    NR02 Projektsteuerung mit ablaufbedingten Kosten (Hauke Hartmann)NR03 Empfehlungen für die Durchführung von Diplomarbeiten (NN)NR06 EDV- gestützte Analyse einer Bauunternehmungsbilanz

    (Dirk Meinzer)NR08 Operative und strategische Führung von kleinen und mittleren

    Bauunternehmen (Jürgen Breyer)NR11 Organisationshandbuch für eine mittlere Bauunternehmung

    (Holger Scheerschmidt)NR13 Textbuch zur Vorlesung Fertigungsplanung (Heinrich Eing)NR16 Projektentwicklung als unternehmenspolitisches Instrument

    (Ludwig Will)NR19 Anwendung von Methoden des Operations Research im Bauwesen

    (Manfred Winkelmann)NR22 Seminarbeiträge zu Rechtsfragen der Bauausführung

    (Bissinger/Meyer-Schattenhöfer/Müller/Parmentier)NR25 Text- und Arbeitsbuch zur Vorlesung Rechnungswesen-Bau

    (Bernd Breunig)NR28 Bauleiter Handbuch (Baubetriebliches Seminar)NR29 Feasibilitystudie zur Rekonstruktion der Puente del Diablo über den

    Foz de, Lumbier, Spanien (Bernd Breunig)NR31 Fachausdrücke aus dem Bauwesen: Deutsch / Englisch / Französisch

    (Dieter Pfaffenzeller)NR32 Controlling im Baubetrieb (Jost-Albrecht Nies)NR37 Handbuch für den Schalungsbau, Schalung und Schalungszubehör

    (Adrian Pflieger)NR41 Einladung zur Politik, Text- und Arbeitsbuch zur Vorlesung: „Europäi-

    sche Kultur, Politik & Soziologie“ im MSc ECM (Bernd Breunig)

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    Vom Zeichenbrett zu CAD (seit 1993)

    Die Sprache des Ingenieurs ist seit jeher die Zeichnung. In der Ingenieurausbildung ist es deshalb wichtig, den Studierenden beizubringen, wie Zeichnungen zu erstel-len und zu lesen/zu interpretieren sind. Abhängig vom Studiengang findet dies in unterschiedlichen Tiefen mit entsprechend der Notwendigkeiten formulierten Zielen statt. Im Bereich Baumanagement/Baubetrieb ist es wichtig, dass die Stu-dierenden in der Lage sind, einzelne Sachverhalte, auch Details, zeichnerisch zu

    erfassen und andere zur Umsetzung/Ausführung anzuleiten. Abhängig von den technischen Möglichkeiten und Gegebenheiten,

    haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Techniken bewährt. Begin- nend bei der manuellen Bearbeitung von Zeichnungen, mit dem Rüst-zeug des richtigen Pergamentpapiers, der Rapidographen in der rich-tigen Stärke und der Beherrschung großer mechanischer Zeichenma-schinen, auf denen Pläne im A0-Format erarbeitet werden konnten, hat sich die Lehre sukzessive an die technischen Möglichkeiten ange-passt und entwickelt. Heute spricht man von BIM (Building Information Modeling), das vollständig digitalisierte Gebäudemodelle in Form von dreidimensionalen CAD-Objekten mit Attributen zur Verfügung stellt, die wiederum von den verschiedenen Planungsdisziplinen für die Erar-beitung der eigenen Fachmodelle genutzt werden können.

    Kennzeichnend für die Zeichenbretter waren große Konstruktionssäle in Unternehmen, an denen bevorzugt Technische Zeichner und Ingeni-eure an Konstruktionszeichnungen gearbeitet haben. Die vollständigen Zusammenhänge waren in mehreren A0-Plänen sichtbar, die Arbeit sehr transparent und nachvollziehbar. Die Arbeitsmittel Pergamentpapier, Bleistift und Tusche waren nötig, vervielfältigt wurde über Pausmaschi-nen, deren Ammoniakgeruch weithin vernehmbar war. Wurden Ände-

    rungen an den Plänen erforderlich, kratzten die Zeichner mittels Rasierklingen die Linien vom Papier und überarbeiteten die Planung entsprechend. Man war darauf angewiesen, dass das Originaltransparent auch dauerhaft für Planpausen verfügbar war. Ein schnelles erneutes Zeichnen war meist nicht möglich.

    Der Beitrag der Hochschule Karlsruhe im Rahmen der Lehre waren stets Vorle-sungen, die das Zeichnen und das Konstruieren von Detaillösungen gefördert und gefordert hat, um den Studierenden so die Fähigkeit zu vermitteln, Pläne zu lesen und kleinere Veränderungen selbst einzufügen. So waren die angehenden Baulei-ter in der Lage, ihren Job gut zu meistern, auf der Baustelle soweit erforderlich kleinere Ergänzungen in Plänen vorzunehmen oder schnell skizzenhaft Ausfüh-rungsdetails für die ausführenden Unternehmen anzufertigen.

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    In der 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich dann die CAD-Planung (Com-puter-Aided Design) entwickelt. Geplant wurde am PC bzw. am Großrechner; entsprechende Softwareprogramme standen zur Verfügung und werden seither stetig weiterentwickelt. Der Trend ging hin zu Datenbanken mit Planungsdetails, die einmal vorhanden waren und immer wieder eingesetzt werden konnten. Nach anfänglichem Mehraufwand in der Planung und Konstruktion hat sich damit ein Effizienzvorteil in der Planungsarbeit ergeben. Änderungen konnten leicht einge-arbeitet werden, es mussten ja nur Striche im Rechner modifiziert werden. Durch neuen Ausdruck standen aktuelle Pläne zeitnah zur Verfügung. Die Pausmaschine wurde durch großformatige Plotter ersetzt, die die Zeichnungen aus den Rechnern auf Papier ausgegeben haben. Großformatige Kopiermaschinen erleichterten die Vervielfältigung von Plänen. Parallel dazu haben sich Dienstleister etabliert, die den Ausdruck, die Vervielfältigung und die Verteilung von Papierplänen übernom-men haben. Im Laufe der Zeit fand eine Weiterentwicklung der Softwareprodukte auf 3D statt, die die dritte geometrische Dimension gut darstellen konnten.

    Eine Parallelentwicklung fand für den Datenaustausch im Bereich der inter-netgestützten Projekträume statt. So ist es seit Mitte/Ende der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts möglich, Plandateien auf Server hochzuladen, auf die die Pro- jektbeteiligten ausgewählte Zugriffsmöglichkeiten haben und sich die Dateien/ Pläne selbst herunterladen und ausdrucken können.

    Der Arbeitsplatz des Zeichners hat sich hin zur reinen Rechnerarbeit verändert. Die Ingenieure übernahmen einen Teil der Aufgaben von den Technischen Zeich-nern. Hier ist auch erkennbar, dass Know-how der Ingenieure und Zeichner in Bau-steine/Module geflossen ist, die über Datenbanken jederzeit verfügbar sind. Die Arbeit und der technische Anspruch haben sich damit stark verändert.

    Der Beitrag der Hochschule Karlsruhe liegt in Vorlesungen, die CAD-Zeichen-programme zum Inhalt haben und die Studierenden sukzessive an diese komplexen Softwareanwendungen heranführen. Damit verbunden sind zum einen Grund-kenntnisse in der Anwendung ausgewählter Softwareprogramme und Kenntnisse in der Konstruktion von Bauteilen und Details. Darüber hinaus ist die Beherrschung von Dateiformaten und die Kenntnis von Datenschnittstellen wichtiges Know-how für die Studierenden. Mit diesen Lehrinhalten können die angehenden Bau- und Projektleiter bei Bedarf digitale Pläne öffnen, kleinere Ergänzungen und Korrek- turen selbst vornehmen und so ihre Baustellen/Projekte leiten.

    Die frühe Pionierphase hat spätestens im Jahr 2017 das BIM (Building Infor-mation Modeling) überwunden. Basierend auf objektorientiertem 3D-CAD wer-den digitale Planungen erstellt, Objekte mit Merkmalen verknüpft und digitale Gebäudemodelle zwischen verschiedenen Planungsgewerken ausgetauscht. Die Fachplanungen arbeiten in Fachmodellen. Das Ziel dieser Vorgehensweise ist eine hohe Transparenz und Übersichtlichkeit in allen Planungsgewerken. Nicht nur den

    Kollisionsprüfungen der verschiedenen Leitungstrassen kommen hierbei eine hohe Bedeutung zu. Auch wenn aktuell die Erwartungen an die Möglichkeiten der ver-schiedenen Softwareprodukte noch höher sind als es die vorhandenen Funktiona-litäten ermöglichen, zeichnet sich doch ein klarer Trend hin zu einer vollständigen und umfassenden Digitalisierung der Bauplanung mit weitreichenden Folgen ab.

    Beiträge des Studiengangs Baumanagement/Baubetrieb sind seit mehr als zwei Jahren Vorlesungen zu „BIM“. Die objektorientierte 3D-CAD-Planung, der Da-tenaustausch sowie die übergeordnete Projektorganisation solcher BIM-Projekte werden gelehrt. Die Studierenden erwerben sich hier wiederum grundlegende Fähigkeiten, mit den Programmen und Techniken umzugehen, um auf die spätere Anwendung in den Ingenieurbüros und ausführenden Unternehmen vorbereitet zu sein. In der Lehre ist in den nächsten Jahren eine weitere Durchdringung der Lehrveranstaltungen mit BIM-Anwendungen zu erwarten.

    Seit 2017 wird darüber hinaus ein Weiterbildungskurs Building Information Modeling an der Hochschule Karlsruhe angeboten, der für Praktiker aus Büros und Unternehmen konzipiert ist und das notwendige Rüstzeug in Kombination aus The-orie und Praxis für die Praktiker in Ingenieurbüros und Unternehmen vermittelt.

    Digitalisierung ist ein derzeit wichtiges Thema in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Industrie 4.0 bzw. Handwerk 4.0 sind zwei einschlägige übergeordnete Begriffe, die in diesem Zusammenhang präsent sind. Alle Baubeteiligten, ob Planer, Gutachter oder ausführende Unternehmen, gewöhnen sich aktuell an Begriffe wie Digitalisierung, Smart Logistik, Smart Home, Datenaustausch, Vernetzung, Inter-net als Netzwerk, Internet der Dinge (IOT), Big Data und Datensicherheit, um nur wenige zu nennen. Alle sind aufgefordert, für den eigenen Geschäftszweck hier Wege zu suchen, die zukunftsfähig sind. Es steht die These im Raum, dass Unternehmen in näherer Zukunft entweder digitalisiert oder geschlossen haben werden. So schwarz/weiß diese Betrachtung auch ist, sie scheint doch in hohem Maße plausibel zu sein.

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    Baubetrieb Karlsruhe erobert die Welt: 1. Masterkurs an einer deutschen FH

    Die damalige Fachhochschule Karlsruhe wirkte am Masterkurs „Master of Science in European Construction Management – MSC ECM“ mit, der ab 1987 auf Initiative von Michael Doyle vom WRTC (Waterford Regional Technical College) aufgebaut worden ist. Die Bezeichnung des Studiengangs wurde nach einigen Jahren geän-dert in „MSC ICM: Master of Science in International Construction Management“, um Interessenten außerhalb Europas besser anzusprechen.

    Vier Hochschulen wirkten von Beginn an mit:• Ecole Supérieur d’Ingénieurs en Génie d’Environnement et de la Construction

    (ESIGEC), Université de Chambéry, Frankreich• Fachhochschule Karlsruhe (FH KA, heutige HsKA), Deutschland• The Nottingham Trent University (NTU), Großbritannien• Waterford Regional Technical College (WRTC), später Waterford Institute of

    Technology (WIT), Irland

    Dieser europäische/internationale Ansatz war der Zeit voraus. Die Unterstüt-zung, die die ausländischen Hochschulen von ihren Ministerien erhielten, blieb der FH Karlsruhe leider versagt. So bedurfte es der Überzeugung des damaligen Rektors und dem Engagement der koordinierenden Professoren, diesen Kurs unter schwierigen Rahmenbedingungen über lange Jahre aufrechtzuerhalten.

    Die Absolventen sollten im Bereich Construction Management in ganz Europa und selbstverständlich auch in international tätigen Firmen einsetzbar sein. Des-halb lagen die Hauptgewichte der Lehre, neben Softskills, insbesondere auf dem Management von Unternehmen unter Berücksichtigung der Unterschiede in europäischen Ländern. Verbunden mit der Förderung der Mobilität über Landes-grenzen hinaus, der Förderung der Sprachkompetenz sowie erworbener Kennt-nisse in Streitvermeidung und Schlichtung wurde ein umfassendes Lehrkonzept geboten. Der Kursansatz, dass die Studierenden alle 4 Monate an einer anderen Hochschule studieren, war, nicht zuletzt wegen der geforderten Dreisprachigkeit, sehr anspruchsvoll.

    Im Laufe der Zeit kam es zu Nachjustierungen, u. a. verursacht durch Evaluierun-gen und Validierungen der ausländischen Hochschulen, die hohe Hürde der gefor-derten Dreisprachigkeit und das Ausscheiden der französischen Partneruniversität Chambéry nach Ende des Akademischen Jahrs 2000/2001. In einer modifizierten Konzeption wurde festgelegt, dass die wesentlichen Inhalte des Kursprogramms an allen Standorten in englischer Sprache abgehalten und auch geprüft werden. Die Modulstruktur wurde in einem Handbuch zusammengestellt und noch besser aufeinander abgestimmt, der Fokus der Lehrveranstaltungen geschärft.

    Absolventenfeier des Masterstudiengangs im Baumanagement mit Studiengangsleiter

    Prof. Hütter und Prof. Schubert

    Das geänderte Programm war dann bis zum Jahr 2007 aktiv. Im Zuge der Kom-merzialisierung der Studiengänge in England, „Profit“ war fortan das wesentliche Kriterium, führte die notwendige Verdoppelung der Studiengebühren zu Proble-men in der Akzeptanz bei Studieninteressierten. Darüber hinaus sollten die Vorle-sungen dann blockweise in Dubai abgehalten werden, um den asiatischen Studien-interessierten entgegen zu kommen. Dieses Konzept war dann letztlich nicht mehr tragfähig.

    Die Koordination an der Hochschule Karlsruhe lag seit der Gründung des Kurses bei Prof. Pfefferle, nach dessen ruhestandsbedingtem Ausscheiden im Jahr 2000 bei Prof. Garrecht und seit 2006 bei Prof. Luckey.

    Im Zuge der Umsetzung der Anforderungen des Bologna-Prozesses in Deutsch-land, mit den gestuften Abschlüssen „Bachelor“ und „Master“, konnte an der Hochschule Karlsruhe der Masterstudiengang Baumanagement etabliert werden, der bis heute erfolgreich und gut nachgefragt ist.

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    Baumanagement als Weiterentwicklung des Baubetriebs

    Der Studiengang Baubetrieb war seit 1968 etabliert und zu einem Erfolgsmodell der Hochschullandschaft geworden.

    Ende der 80er-Jahre wurde die Ausbildung für die ursprüngliche Zielgruppe „Bauausführende Industrie“ überdacht und eine Umstrukturierung eingeleitet. Der Baubetriebsingenieur soll das Bauwerk in seinem gesamten Lebenszyklus umfas-send betreuen können: Also von der Idee des Bauherrn, ein Bauwerk erstellen zu wollen, bis zum Zeitpunkt, an dem die Idee bzw. der Zweck des Bauwerks überholt ist und seine Beseitigung erfolgen soll.

    Auf derselben Linie lag das Anforderungsprofil des Hauptverbands der Deut-schen Bauindustrie von 1988: „Wir wünschen uns einen Mitarbeiter, der eine solide Grundausbildung erhalten hat, der die Zusammenhänge zwischen Entwurf, Statik, Konstruktion, Ausführung und nicht zuletzt Kosten sieht und der vor allem eins gelernt hat: Denken, selbständiges Denken.“

    Mitte der 90er-Jahre sollten in der Ausbildung folgende Arbeitsfelder miteinfließen:

    • Ganzheitliches und integriertes Bauen• Privates Finanzieren und Betreiben von Bauwerken• Facility Management• Schlüsselfertiges Bauen• Technischer Ausbau• Umwelttechnik• Sanierung und Bauunterhaltung• Berücksichtigung der europäischen Richtlinien• Normungen und Qualitätsmanagement

    Die deutsche Wiedervereinigung 1989/1990 sowie die Einführung des „Europä-ischen Baumarktes“ 1992 ließen Forderung der Bauindustrie nach neuen Schwer-punkten in der Ausbildung laut werden. Eine eigens gebildete „ARGE Problem- analyse“ stellte sich der Aufgabe, in Form einer Studie einen Soll-Lehrplan zu kon-zipieren, der ausschließlich den künftigen Erwartungen des Marktes entsprechen sollte. Der gestellten Aufgabe gingen Studierende des Fachbereichs Baubetrieb der FH Karlsruhe (University of Technology) im Sommersemester 1996 nach und erarbeiteten einen Fragebogen, der an 239 Firmen versandt wurde, um seriöse In-formationen für eine weitere Diskussion zu erhalten. Der Abschlussbericht wurde als Studie „Zur Praxisrelevanz der Baubetriebsausbildung – Fragen und Antworten“ in Form des Bandes Nr. 27 vorgelegt. Die Ergebnisse flossen in den Lehrplan des neu zu konzipierenden Studienganges Baumanagement ein.

    Um die Jahrtausendwende waren im Baubetrieb 3 Studiengänge angeboten wor-den: der grundständige Studiengang Baubetrieb (Diplom), der Aufbaustudiengang Baubetrieb (Diplom) sowie der internationale Masterstudiengang Baumanage-ment (MSc ECM = Master of Science in European Construction Management).

    Die damalige Umbruchsituation des baubezogenen Hochschulwesens hing mit einem schmerzhaften Anpassungsprozess in der deutschen Bauwirtschaft zusammen. Von ihr wurden nach neuestem Stand ausgebildete, bereits berufs- fertige Absolventen gefordert. Gleichzeitig wurde wiederum über eine auffällige Diskrepanz zwischen den Schwerpunkten in der Ingenieur-Ausbildung und den insbesondere von der Bauwirtschaft nachgefragten Tugenden der Absolventen geklagt.

    Umfragen zeigten einen eindeutigen Nachfragetrend hin zu mehr baubetrieb-licher Qualifikation. Bauunternehmen gaben vermittelten Lehrinhalten aus dem Fachgebiet Baubetrieb mehr Gewicht als dem traditionell stark bewerteten Fach-gebiet „Konstruktiver Ingenieurbau“. In einer einschlägigen Untersuchung waren lediglich 30 % der befragten Betriebe mit dem Ausbildungsniveau der neu einge-stellten Hochschulabsolventen zufrieden – Hauptkritikpunkte waren mangelnde Praxisnähe der Ausbildung sowie fehlende bzw. unvollkommene Management-kenntnisse.

    Als Beleg der Abweichung zwischen Ausbildungsinhalten und tatsächlicher Be-rufsausübung sowie als Hinweis für die Richtigkeit der genannten Untersuchun-gen kann das „Drama“ um den ehemaligen Marktführer, die Philipp Holzmann AG, angeführt werden. Als Schadensursache wurde ein erhebliches Defizit auf dem Gebiet der Management-Kapazitäten genannt. Zwar wurde das Finanzloch in ers-ter Linie durch Altlasten aus dem Projektgeschäft und im Beteiligungsbereich aufgerissen, darüber hinaus belasteten den Baukonzern aber auch erhebliche stra-tegische und operative Schwächen im Inlandsgeschäft. Dazu gehörten u. a. ein unzureichendes Ertragsdenken in den Niederlassungen, ein aufgeblähtes Projekt-volumen und die Verzettelung in zu kleinen Aufträgen. Waren dies auch Resultate einer zu „engen“ Ausbildung?

    Die Forderung an die Hochschulausbildung konnte also nur lauten, bedarfsge-rechter auszubilden. Ausländische Wettbewerber und Subunternehmer mit völlig anderen Kostenstrukturen drängen heute auf den Binnenmarkt. Große und mitt-lere deutsche Bauunternehmen bedienen sich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in weit größerem Umfang der Hilfe von Subunternehmen als vor zehn Jahren. Auf den Baustellen werden – abstrakt formuliert – Produktionsfaktoren kombiniert. Aber die Zusammensetzung dieser Faktoren hat sich signifikant verändert. Ge-fragt ist derjenige, der die neuen Faktoren kombinieren kann, also der juristisch geschulte und kostenbewusste Baumanager. Insbesondere sollte der baubetrieb-liche Flügel (Wirtschaft, Recht und Organisation) der Bauingenieurausbildung

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    gestärkt werden – möglichst in einem grundständigen Studiengang, um künftig die Fehlleitung volkswirtschaftlicher Ressourcen zu verhindern.

    Zur Abhilfe dieser Ausbildungsmängel wurde – ausgehend vom bewährten grund-ständigen Studiengang Baubetrieb – der neue Studiengang Baumanagement kon-zipiert, dessen Lehrinhalte alle Kennzeichen eines Wirtschaftsingenieurstudiums tragen. Die stärkere Hinwendung zu den wirtschaftlichen, organisatorischen und juristischen Aspekten eines Betriebs legten es nahe, dass der neue Studiengang zum Abschluss Dipl.-Wirt.-Ing. Bau (FH) führt. Die Lehrinhalte verließen bewusst die Weitergabe umfassender Bauingenieurkenntnisse und legten den Ausbildungs-schwerpunkt auf die genannten Inhalte. Der Abschluss verzichtete konsequenter-weise auf die Qualifikation der „Planvorlageberechtigung“, die auf dem Markt in ausreichendem Umfang zur Verfügung stand – zu Gunsten der Qualifikation zum Baumanger, der sich inzwischen als marktgängiges Berufsbild durchgesetzt hat.

    Seit 1968 absolvierten bis heute über 2000 Studenten an der Hochschule Karlsruhe, Wirtschaft und Technik den Studiengang Baumanagement oder Bau- betrieb und prägen heute national und international die Bauwirtschaft.

    Zahlen der Absolventen und Absolventinnen der Studiengänge Baumanagement und Baubetrieb

    an der Hochschule Karlsruhe, Technik und Wirtschaft von 1968 bis 2018

    Anzahl der Absolventen Baumanagement und Baubetrieb HsKA

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    Auch heute geht es beim Bauen um die folgenden zentralen Fragen:

    Wie lässt sich ein Bauwerk realisieren, was kostet es und wann steht es funktionsfähig

    zur Verfügung?

    Wirtschaftliches Bauen ohne Kenntnisse des Baubetriebs, oder besser des Betreibens des Bauens ist heute nicht mehr möglich und erfordert eine breite Ausbildung in den Bereichen Bautechnik, Bauwirtschaft und Baurecht. Der Erfolg der praktischen Realisierung der abstrakten Planung eines Bauvorhabens ist nicht möglich ohne Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und Rechtssicherheit für alle am Bau Beteiligten. Vor dem Hintergrund neuer Baustoffe, neuer Bauverfah-ren, neuer Baumaschinen, der Vielzahl immer komplexer werdender Vorschriften und der immer stärkeren Digitalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen die-sen Bereichen immer mehr.

    Der Studiengang Baumanagement und Baubetrieb bildet mit seinem in Deutsch-land einzigartigen Fächerkanon aus gleichermaßen bauingenieurtechnischen sowie rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks ab.

    Am Anfang steht in der Regel eine Projektidee für ein neues Bauwerk oder die Sanierung bzw. Umnutzung eines bereits bestehenden Bauwerks. Anschließend geht es bei Neubau oder Bauen im Bestand um die richtige Auswahl bzw. Erfassung der jeweiligen Tragwerke und Baustoffe. Auf dieser Grundlage erfolgt die für die Realisierung der Baumaßnahme entscheidende Kalkulation, an die sich Ausschrei-bung, Vergabe und Abrechnung der Bauleistungen anschließen.

    Der Hauptanteil im Lebenszyklus eines Bauwerks ist die Nutzung, die für Ingenieurbauwerke in der Regel mindestens 50 Jahre beträgt. Maßgeblich für die Nutzungszeit sind insbesondere die bauphysikalischen Anforderungen und deren Umsetzung im Rahmen der technischen Gebäudeausrüstung. Der Lebenszy- klus endet mit dem Rückbau und dem Recycling der Baumaterialien in Form von Sekundärrohstoffen.

    Dazu kommt eine Vielzahl von Fächern, die einzelne Phasen des Lebenszyklus miteinander verbinden und die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmen bilden, und die entsprechenden Bedingungen des Bauens und Betreibens definieren.

    Das Verhältnis der am Bau Beteiligten ist von hoher Intensität geprägt! Kom-munikation, Philosophie und Ethik sind wichtige Grundlagen für eine erfolgreiche Unternehmens- und Personalführung und komplettieren das breite Angebot an Lehrgebieten des Studiengangs.

    Die einzelnen Lernfelder werden im Folgenden kurz von den jeweils verantwort-lichen Professorinnen und Professoren des Studiengangs Baumanagement und Baubetrieb vorgestellt.

    Baubetrieb heute

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    Immobilienmanagementvon Prof. Dr.-Ing. Carolin Bahr

    In der Bauwirtschaft hat ein Paradigmenwechsel weg vom Neubau hin zur systema-tischen Erhaltung und dem professionellen Gebäudebetrieb stattgefunden.

    Mit dem Lehrgebiet Immobilienmanagement, das seit dem Wintersemester 2012/2013 erstmalig mit einer eigenen Professur am Studiengang abgedeckt wird, wird diesem Aspekt Rechnung getragen und die Studierenden auf die zunehmen-den Anforderungen im Immobilienmanagement vorbereitet.

    Die Komplexität von Immobilien und ihren technischen Anlagen nimmt aufgrund zunehmender gesetzlicher Regelungen, steigender Erwartungen der Nutzer nach Komfort, Sicherheit und möglichst geringen Kosten sowie den gesellschaftlichen Forderungen hinsichtlich Ökologie und Ressourcenschonung stetig zu. Immobi-lien und ihre technischen Anlagen benötigen über die fachgemäße Planung und Ausführung hinaus insbesondere auch einen professionellen Gebäudebetrieb, um die Versorgung und die dauerhafte Nutzung zu gewährleisten.

    Die Studierenden werden in den Lehrveranstaltungen auf diese ganzheitlichen Aufgaben, die sich über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie erstrecken, vorbereitet. So spielt in der Veranstaltung Facility Management (FM) z.B. die lebenszyklusphasen-übergreifende Denkweise eine zentrale Rolle. Das FM be-schäftigt sich schon in der frühen Konzeptions- und Planungsphase mit den späte-ren Abläufen und Prozessen im Gebäude und versucht diese zu optimieren. Denn Entscheidungen, die einmal in der Planungsphase getroffen werden, haben enor-me Auswirkungen auf die Nutzungsphase eines Gebäudes, die mehrere Jahrzehnte umfasst und mit bis zu 80 % einen sehr großen Anteil an den gesamten Lebenszy-kluskosten hat.

    Das Gebäude wird ganzheitlich über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, sodass neben ökonomischen Fragestellungen die Auswirkung auf den Menschen und die Umwelt im Fokus steht.

    Diesbezüglich spielt u. a. auch die Gebäudetechnik mit den Möglichkeiten zur Nutzung von regenerativen Energien und innovativen Konzepten sowie die Ge-bäudeautomation eine wichtige Rolle. In den Vorlesungen Technischer Ausbau und Gebäudeautomation werden die Studierenden zunächst mit dem jeweiligen Funktionsprinzip der technischen Anlagen und deren Zusammenspiel und Art der Kommunikation vertraut gemacht. Hierbei werden auch die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Akteure kritisch diskutiert. Der Nutzer z.B. fühlt sich

    mit der Bedienung von hochkomplexer Gebäudetechnik häufig überfordert und verhält sich anders als von den Fachplanern ursprünglich vorgesehen. Mögliche Energieeinsparungen können so häufig nicht realisiert werden. Für den Facility Manager verursacht das Betreiben der technischen Anlagen wiederum einen hohen Aufwand und aufgrund der kürzeren Austauschzyklen auch höhere Instand-haltungskosten.

    Ein großes Aufgabenspektrum unserer Absolventen liegt neben den klassischen Aufgaben des Gebäudemanagements insbesondere auch in der Instandhaltung und Modernisierung des Gebäudebestandes, welcher ein Bruttoanlagevermö-gen von 13,8 Bil. Euro umfasst. Das Bauvolumen im Gebäudebestand übersteigt

    Lebenszykluskosten und Möglichkeit der Kostenbeeinflussung

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    das des Neubaus um ein Vielfaches. In der Praxisveranstaltung Baubestandsma-nagement werden die Studierenden in Zusammenarbeit mit den Unternehmen „Algabro“ und „dieBauingenieure“ von der Bestandsaufnahme und möglichen Schadstoffen bis hin zur energetischen Sanierung und Fördermöglichkeiten auf diese Themenfelder vorbereitet. Ein Highlight sind u. a. die Praxisworkshops, bei denen die Studierenden selbst Gebäude in der Weststadt thermografieren, Zeu-ge einer aufwändigen Schallmessung werden oder einen Blower Door Test durch- führen.

    Ihre Abschlussarbeiten können die Absolventen im Rahmen von verschiede-nen Forschungs- und Transferprojekten, wie z.B. dem Projekt „Entwicklung eines Instandhaltungsplanes für die ÖBB Infrastruktur AG“, sowie im Rahmen von Akti-vitäten in Fachverbänden erstellen. Derzeit werden verschiedene Abschlussarbei-ten in Zusammenarbeit mit dem GEFMA AK „Personalbemessung im FM“, dessen Leitung die Inhaberin des Fachgebietes hat, sowie Arbeitskreisen des VDI und der AMEV durchgeführt. Die Studierenden erhalten dadurch Kontakt zur Wirtschaft und haben die Möglichkeit, Zugang zu aktuellen Themen und Fragestellungen der Immobilienbesitzer zu erhalten. Von der hohen Qualität zeugen die Auszeich-nungen und Preise, die unsere Absolventen mit Ihren Arbeiten gewinnen. So wurde z. B. die Masterarbeit von Tim Bosch mit dem 1. Platz des GEFMA-Förderpreis 2018 des Deutschen Verbands für Facility Management e.V. GEFMA (dotiert mit 3.000 Euro) ausgezeichnet (siehe Bild).

    Auch Kongressbeiträge und Veröffentlichungen im Fachbereich Facility Ma-nagement überzeugen externe Gutachter. So wurde der Beitrag im Rahmen des INservFM Kongress 2018 von Prof. Bahr und Dr. Liers (Uni Mainz) mit dem „Best Paper Award“ ausgezeichnet. Der Beitrag befasst sich mit der Personalbemessung im FM.

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    Kalkulation im Bauwesenvon Prof. Dr. techn. Ralph Bartsch

    Am Ende stellt sich trotz aller architektonischen und konstruktiven Möglichkeiten und Wünschen immer wieder die Frage nach den Kosten und dem wirtschaftlichen Ergebnis. Eine Idee wird durch architektonische und konstruktive Überlegungen in eine Gestalt verwandelt, baubetriebliche Überlegungen und Bauablauf zeigen den Weg, wie die Idee umzusetzen ist, rechtliche Aspekte und der Abschluss eines Bauvertrages leiten die Umsetzung ein. Jeder einzelne Schritt von der Idee bis zur Fertigstellung, wie auch der spätere Betrieb, wird auf die Frage hin untersucht, welche Kosten verursacht werden und inwieweit diese optimiert werden können. Somit führt die Kalkulation mit der Bandbreite ihrer Disziplinen zu iterativen Ent-wicklungsschritten eines jeden Bauprojektes. Das Fachgebiet der Kalkulation stellt somit die Klammer um alle technischen, baubetrieblichen, wirtschaftlichen und sonstigen Disziplinen dar.

    Bereits im Grundstudium werden den Studierenden mittels der Vorlesung Grundlagen der Baubetriebslehre die Freiheitsgrade der baubetrieblichen Planung vermittelt. Sie werden in die Lage versetzt, aus dem Spektrum von Alternativen, wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Die Studierenden erlangen ein Grundverständnis über die Methodik, wie eine Ressourceninanspruchnahme zu einer Kostenbelastung der verursachenden Kostenstelle führt. Hierdurch werden die Voraussetzungen für ein Grundverständnis der Ablaufschritte einer Auftrags-kalkulation geschaffen. Die Thematik der Baubetriebsführung vermittelt über die operativ planende Tätigkeit hinaus Grundkenntnisse über strategische Planungsan-sätze in der Aufbau- und Ablauforganisation der Bauunternehmung.

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    In der Vorlesung Betriebswirtschaftslehre Bau werden die Studierenden mit betriebswirtschaftlichen Denkweisen vertraut gemacht und sollen in die Lage ver-setzt werden, die „Visitenkarte eines Unternehmens“ zu lesen. Dazu ist die Kennt-nis der Unternehmensformen und des Jahresabschlusses erforderlich. Weiterhin lernen die Studierenden geeignete Kennzahlen zur Jahresabschlussanalyse und damit wichtige Parameter der Unternehmensführung kennen.

    In den Vorlesungen Kalkulation I bis III werden den zukünftigen Baubetrieble-rinnen und Bauberieblern die Grundlagen der Kalkulation über Angebots-, Auf-trags-, Arbeits-, Nach- und Nachtragskalkulation gelehrt und anhand praktischer Beispiele, Studienarbeiten und mittels entsprechender Programmsoftware ver-tieft. Neben den Kostenverläufen, Kosteneinflüssen, Kostenarten etc. wird vermit-telt, wie Baupreise gebildet werden und welche Grundsätze bei der Kalkulation zu berücksichtigen sind. Die Studierenden erlangen so die Kenntnisse, aufbauend auf den Fertigungsverfahren, den Ablaufmethoden und unter Berücksichtigung aktueller Disziplinen, wie Lean Management und BIM, Baupreise sicher zu kalku-lieren. Aber auch die Berücksichtigung der rechtlichen Grundlagen, die auf Chan-cen und Risiken in der Kalkulation Auswirkungen haben, spielen hierbei eine Rolle. Sie werden in die Lage versetzt, aus den Erfahrungen der tatsächlichen Kosten der Bauausführung auf zukünftige Kalkulationen zu schließen. Die Studierenden lernen, über die kalkulierten Kosten Bauablauf und Bauverfahren hinsichtlich der Kosten zu optimieren. Die erlernten theoretischen Grundlagen werden in den Vor-lesungen Kalkulation II und III anhand praktischer Beispiele und von den Studieren-den zu bearbeitender Projekte angewendet und so vertieft.

    In der Projektarbeit Baubetrieb werden die erlernten baubetrieblichen und kal-kulatorischen Fähigkeiten zusammengeführt und anhand einer von den Studieren-den zu bearbeitenden Semesterarbeit praktisch umgesetzt. Hierdurch erlernen die Studierenden, ihr theoretisch erlangtes Wissen in einem komplexen Projekt um-fassend anzuwenden. Sie werden so auf die spätere Praxis vorbereitet – ein erster „Sprung ins kalte Wasser“.

    Das Bauvertragsrecht hat in den vergangenen Jahren, insbesondere auch hin-sichtlich Mehrkosten und Bauzeitverlängerungen, einen immer höheren Stel-lenwert in der Bauausführung und Bekanntheitsgrad in der Gesellschaft erlangt. Insofern ist es von hoher Bedeutung, die Studierenden auch hier auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten. Mit der Vorlesung Nachtragsmanagement werden die Grundlagen der Kalkulation von Mehrkosten auf Grundlage der unterschiedlichen Bauvertragstypen gelehrt. Nachtragsrisiken bereits in der Planungs- und Ange-botsphase zu erkennen und zu beherrschen, Ansprüche während der Bauausfüh-rung abzusichern, zu berechnen und sachgerecht durchzusetzen bzw. zu bewer-ten, gehören zum gelehrten Stoff. Auch Ansprüche aus Bauzeitverlängerungen zu erkennen und zu bewerten, ist Teil des Lehrinhaltes.

    Weitere Disziplinen der Kalkulation stellen das Controlling und das Risk-Manage- ment mit der internen Revision dar. Die Inhalte dieser werden den Baumanage-rinnen und Baumanageren in der Vorlesung Controlling und in der Vorlesung Risk-Management und interne Revision gelehrt. Die Vorlesung Controlling lehrt, welche Erfolgsfaktoren im Baubetrieb gelten, wie das Baustellencontrolling und das Unternehmenscontrolling umgesetzt werden und welche Controllingkultur im Unternehmen von Bedeutung ist. Die Vorlesung Risk–Management und interne Revision hat das rechtzeitige Erkennen von Risiken bei der Angebotskalkulation, in den Ausschreibungsunterlagen, in den Verträgen, in der Planung und bei der Bau-ausführung zum Ziel. Es wird die Einleitung von Maßnahmen zur Risikominderung und zum Aufbau von Risikomanagementsystemen vermittelt.

    Auch die Forschung kommt in der Kalkulation nicht zu kurz. Zwar werden Bau-preise seit Jahrzehnten nach denselben Grundsätzen kalkuliert, Änderungen von Gesetzen und Normen führen jedoch immer wieder zu Änderungen in altbekann-ten Herangehensweisen, bei denen die Forschung der Praxis Hilfestellung und Grundlagen geben muss. So führt z. B. die Umstellung von Bodenklassen zu Homo-genbereichen zu neuen Herausforderungen für die Kalkulatoren. Auch das neue Bauvertragsrecht, welches seit dem 01.01.2018 gilt, stellt die Kalkulation hinsicht-lich der Frage was „tatsächlich erforderliche Kosten“ oder „angemessene Zuschlä-ge für allgemeine Geschäftskosten und Wagnis und Gewinn“ darstellen vor neue und noch kalkulatorisch unbeantwortete Fragen. Es gibt also auch hier viel in der Forschung zu tun!

    Prof. Bartsch, der zum 01.03.2018 das Lehrgebiet der Kalkulation übernom-men hat, kann aus einer Vielzahl von Projekten aller Gewerke und aller Phasen von Planung und Bauausführung schöpfen und sein praktisches Wissen als Grundlage heranziehen, den Studierenden die Kenntnisse in den o.g. Bereichen zu vermitteln. Er stellt sich dieser neuen Aufgabe mit Freude und aller Kraft.

    Prof.Dr.techn.RalphBartsch

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    Massivbauvon Prof. Dr.-Ing. Richard Harich

    Die Tragkonstruktion der meisten heute errichteten Gebäude werden aus Stahlbe-ton verwirklicht.

    Werden die Gebäude mit Sachverstand geplant, konstruiert und ausgeführt, gewährleistet diese Bauweise über viele Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, sowohl die Tragsicherheit als auch die Gebrauchstauglichkeit.

    Fehlt bei den planenden und ausführenden Ingenieuren das Verständnis für die Baustoffe oder für die mechanischen Beanspruchungen der Bauteile, bzw. für den Einfluss der Umweltbedingungen auf den Verbundwerkstoff Stahlbeton, ist aller-dings schon nach wenigen Jahren die Sanierung oder aus Kostengründen der Ab-bruch erforderlich.

    Die Gesellschaft erwartet von den Gebäuden und von der Infrastruktur, dass diese, obwohl jedes Tragwerk ein Unikat und Prototyp ist, fehlerfrei geplant und ausgeführt werden. Möglichst ohne Wartung sollen sie jahrzehntelang tragsicher und gebrauchstauglich sein. Dagegen wird die kurzfristige Haltbarkeit in unserer Wegwerfgesellschaft in vielen Bereichen des Handels und der Industrie teilweise eingeplant und von der Bevölkerung akzeptiert.

    Die Erwartung an fehlerfreie Planung und Ausführung ist im Sinne der Nach-haltigkeit auch sinnvoll, kann allerdings nur gelingen, wenn man gut ausgebildeten Ingenieuren auch die notwendige Zeit zur Planung der Tragwerke und Vorbereitung der Ausführung zugesteht. Selbstverständlich ist auch eine engmaschige Überwa-chung der oft nur angelernten Ausführenden erforderlich, da es häufig aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen zu Kommunikationsproblemen kommt.

    Bei den in der Praxis tätigen Ingenieuren ist immer wieder festzustellen, dass sie sich zum Teil hinter ihren Rechenprogrammen verstecken. Sie sind nicht mehr in der Lage, die Normen und Vorschriften zu verstehen, geschweige denn sinnvoll anzuwenden. Das kommt daher, dass Normen und Vorschriften in den letzten Jah-ren mehrfach geändert wurden und in ihrem Umfang um ein Vielfaches gewachsen sind. Dies ist natürlich im Sinne der oben angesprochenen Erwartungen unserer Gesellschaft an die Qualität der Planung und Ausführung ein unhaltbarer Zustand.

    Deshalb wird bei den Studierenden des Studiengangs Baumanagement und Bau-betrieb viel Wert auf das Verständnis der mechanischen Grundlagen der Statik und Festigkeitslehre gelegt. So wichtig wie die Bedienung von Rechenprogram-men auch ist, ersetzt es nicht das tiefe Verständnis für die statischen Systeme der Tragwerke und der Mechanik des Verbundwerkstoffes Stahlbetonbau. Dieses Verständnis kann nur mit der intensiven Beschäftigung mit zahlreichen Praxisbei-spielen erreicht werden.

    Des Weiteren wird viel Aufmerksamkeit auf das Konstruieren im Stahlbetonbau und den Bezug zur praktischen Bewehrungstechnik auf der Baustelle gelegt, wobei natürlich auch die Kenntnis der einschlägigen Vorschriften wichtig ist.

    Ziel ist es, einen Ingenieurnachwuchs auszubilden, der sowohl in der Planung, in der Schnittstelle von Planung und Arbeitsvorbereitung als auch in der Kontrolle der Bauausführung routiniert ist. Denn durch seine erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten kann er sicherstellen, dass sowohl tragsichere als auch dauerhafte und gebrauchstaugliche nach Möglichkeit auch noch wirtschaftliche Tragwerke entstehen.

    Prof.Dr.-Ing.RichardHarich

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    Baumanagementvon Prof. Dr.-Ing. Hermann Hütter

    Die Lehrveranstaltungen sind in vier Themenbereiche gliederbar. Dies sind das Pro-jektmanagement (mit den Lehrveranstaltungen Projektmanagement, Fallstudie PM, EDV im Projektmanagement-Primavera sowie Baukostenplanung/Projektent-wicklung), das Qualitätsmanagement (mit den Lehrveranstaltungen Qualitätsma-nagementsysteme, QM-Führungsmethoden), die Immobilienwirtschaft (mit der Lehrveranstaltung Due Diligence) sowie die projektorientierten Arbeiten (mit den Lehrveranstaltungen Großprojekte, unterteilt in Termin- und Kostenmanagement sowie Projektarbeit in großen Teams). Abgerundet wird das umfangreiche Lehrge-biet durch die Lehrveranstaltungen Wissenschaftliches Arbeiten und das Wahlfach Management Academy.

    Die Förderung der Studierenden findet durch anspruchsvolle Aufgabenstel-lungen, projekt- und kundenorientiertes Arbeiten, intensive Betreuung sowie durchdachte didaktische Konzepte statt. In Verbindung mit einer systematischen Betreuung bei der Bearbeitung von Abschlussarbeiten entsteht so ein fundier-tes Rüstzeug für den Berufsstart und Ansätze für das lebenslange Lernen bei den Absolventen.

    Prof. Hütter ist Studiendekan für den Masterstudiengang Baumanagement und trägt die Verantwortung für die curriculare Gestaltung und Entwicklung des Studiengangs. Bereits im Zuge der Umstellung der Diplomstudiengänge auf das Bachelor-/Mastersystem, eingeführt zum Wintersemester 2006/2007, erfolgte eine intensive Mitwirkung bei der Gestaltung der Strukturen und Lehrinhalte, die in angepasster Form bis heute erfolgreich sind. Der Studiengang ist etabliert und bei vielen namhaften Firmen bekannt. Die Absolventen erhalten gute Arbeits-angebote und bekleiden verantwortungsvolle Positionen in Bau-, Planungs- und Consultingunternehmen.

    Des Weiteren ist Prof. Hütter u. a. gewähltes Mitglied im Fakultätsrat, und im Prüfungsausschuss des Studiengangs, Beiratsmitglied im Career-Center der Hochschule Karlsruhe und verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Akkreditierungsverfahren (Akkreditierung 2006-2008; Reakkreditierung 2013/2014).

    Transferleistungen von der Theorie zur Unternehmenspraxis finden im Rahmen der Leitung des Steinbeis-Transferzentrums „drei | consult + management | pro-jekte, prozesse, nachhaltigkeit“ statt. Mittelständische Unternehmen verschiede-ner Größen werden auf der Grundlage aktueller und fundierter wissenschaftlicher Ansätze und Methoden beraten.

    Als Leiter der Arbeitsgruppe „WI 4.4 Ingenieur-Leistungen“ in der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) erfolgt die ver-antwortliche Gestaltung und wissenschaftliche Begleitung von Regelwerken zum Thema „Qualität von Ingenieurleistungen in der Abwasserwirtschaft“. Bauherren aller Größenordnungen und die auf dieses Fachgebiet spezialisierten Planungs- büros sollen Handreichungen für eine umfassende Bedarfsplanung, für eine qua-litätsorientierte Vergabe, für die Durchführung, die Entgegennahme sowie die Abnahme von Ingenieurleistungen bekommen.

    Für drei Forschungsvorhaben konnten insgesamt ca. 750.000 Euro Fördermittel vom BMBF generiert werden. Das Projekt „KoBau“ beschäftigte sich mit ganzheit-licher Kostenoptimierung, das Projekt „Anwenderzentrum“ mit der Berechnung von Lebenszykluskosten und Ökobilanzen und das Projekt „Planernetzwerk“ u. a. mit der Prozessplanung und -modellierung von Generalplanerleistungen. Durch die Mitarbeit von Masterstudierenden sowie im Rahmen von speziell auf die For-schungsinhalte abgestimmten Lehrveranstaltungen wurden die erzielten Erkennt-nisse direkt an Studierende vermittelt. Es fand eine intensive Verknüpfung von Forschung und Lehre statt, die beteiligten Forschungspartner profitierten durch die aktive Mitwirkung an den Vorhaben.

    Nicht nur im Rahmen der Forschungsprojekte sind darüber hinaus zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge entstanden, die einer interessierten Fachöffent-lichkeit zur Verfügung stehen.

    Prof.Dr.-Ing.HermannHütter

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    Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung (AVA)/Projektablaufplanung

    von Prof. Dr. Dipl. Wirt. Ing. Michael Korn

    „Lean Construction“ und „Building Information Modeling“ als Verknüpfung der historischen Entwicklungsstränge des Fachgebietes

    Das Fachgebiet Ausschreibung Vergabe Abrechnung (AVA) und Projektablauf-planung ist im Kernbereich der baubetrieblichen Wissenschaft angesiedelt, scheint jedoch ohne nähere Betrachtung zwei sich kaum tangierende Segmente des Bau-betriebes abzudecken:

    Zum einen umfasst die Professur den Bereich der Ablaufplanung, somit den Bereich des zielgerichteten vorausschauenden Durchdenkens der Produktion im Baubetrieb. Dabei denkt der Laie zunächst einmal an die eigentliche Bauausfüh-rung, somit den Bauprozess auf der Baustelle. Damit wird jedoch ein wesentlicher Teilbereich der baubetrieblichen Wertschöpfungskette (von der Realisationsidee hin zur fertigen Immobilie) vernachlässigt, nämlich der gesamte Planungsprozess. Dieser Teilbereich der Planung wird von der Professur jedoch als mindestens eben-so wichtig wie die Bauausführung angesehen.

    Aus historischer Sicht führte die Bauablaufplanung lange Zeit eher ein Schat-tendasein, war durch Improvisation und Iteration geprägt. Klare Leitregeln waren nicht vorhanden, die Beteiligten im Bauprozess durchdachten die Bauproduktion von Projekt zu Projekt neu und ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend. Ein erster wichtiger Schritt vorwärts ergab sich in den 1950er-Jahren mit der Einfüh-

    rung der Netzplantechnik. Hierdurch wurde es möglich, Balkenpläne und Linien- diagramme mit Verknüpfungen zu erstellen, wodurch komplexe Abläufe schritt-weise logisch erfasst und in ihrer Lage berechnet werden konnten.

    Diese Technik nutzte der Berufszweig des Projektmanagers, der in Deutsch-land in den 1960er-Jahren neu entstand. Es folgte ein strukturierter Ausbau des Handlungsbereiches „Termine, Kapazitäten und Logistik“ in Bauprojekten. In den folgenden Jahrzehnten entstanden in Projekt-, Organisations- und Qualitätshand- büchern Musterstrukturen, Prozessabläufe und Ablaufpläne in den verschiedens-ten Ausprägungen. Die Vorlesungen Ablaufplanung I und Ablaufplanung II sollen den Studierenden hier das nötige Rüstzeug vermitteln.

    Zum anderen wird von der Professur die Gesamtheit der Vergabe- und Abrech-nungsprozesse wissenschaftlich untersucht. In Deutschland existiert mit der „Ver-gabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“ bereits seit 1926 ein entsprechen-des Regelwerk. Dies hat aber erst 1971 mit der ersten Baukoordinierungsrichtlinie ein europäisches Pendant gefunden. Seitdem ist insbesondere das europarechtli-che Vergaberecht vielfach modifiziert und verkompliziert worden – nicht immer zur Freude der Studierenden. Die Übersicht über dieses komplexe Rechtsgebiet ist Lehrinhalt der Vorlesung AVA und Voraussetzung einer VOB-gerechten Aus-schreibung, deren Grundlagen ebenso in der Vorlesung „AVA“ vermittelt werden.

    Die Vermittlung des legislativen Rahmens in Deutschland ist jedoch nur ein Teil-gebiet der Aufgaben der Professur. Darüber hinaus strebt die Professur im Rahmen der englischsprachigen Vorlesung International and National Tendering an, die Studierenden im Master-Studiengang Baumanagement in die vergaberechtlichen Rahmen verschiedener Staaten vergleichend einzuführen.

    Nationale und internationale Großprojekte der öffentlichen Hand werden u. a. in der Projektabwicklungsform einer Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) gestaltet. Die dabei zu berücksichtigenden u. a. vergaberechtlichen Randbedin-gungen, insbesondere im Vorfeld der Bezuschlagung, werden im Rahmen der Vor-lesung Grundlagen der ÖPP vermittelt. Neben dem aufbau- und ablauforganisa-torischen Umfeld werden u. a. planbilanzielle und steuerliche Fragen abgehandelt.

    Innerhalb dieser Großprojekte spielt die Übertragung der Finanzierung an den privaten Partner und somit eine Gesamtvergabe, einschließlich der Finanzierungs-leistungen, eine wesentliche Rolle. Zur Finanzierung solcher Projekte werden häufig internationale Bankenkonsortien herangezogen. In der Vorlesung Interna-tionale Finanzierung werden die Studierenden in die Grundlagen derartiger Pro-jektfinanzierungen, aber auch in Möglichkeiten für Unternehmensfinanzierungen der Bauunternehmungen, eingeführt. In Zusammenhang mit internationalen Pro-jekten werden auch Währungstransaktionen und Hedging-Verfahren erörtert.

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    In der jüngsten Vergangenheit ist in der Bauwirtschaft vor allem die prozess-gesteuerte Ablauforganisation in den Fokus geraten. In diesem Zusammenhang werden die beiden Begriffe „Lean Construction“ (LC) und „Building Information Modeling“ (BIM) in zahlreichen Veröffentlichungen genannt.

    Unter Lean Construction versteht man eine branchenbezogene Ausrichtung der Lean-Management-Prinzipien. Lean Management wiederum lässt sich als Ge-samtheit von Grundsätzen, Methoden und Werkzeugen begreifen, die mit dem Ziel einer auf den Kundennutzen hin optimierten Produktion verwendet werden. Dabei wird die Wertschöpfungskette von hinten (vom Kunden) nach vorne (dem Beginn der Produktion) durchlaufen, um Verschwendungen zu minimieren. Diese Fokussierung auf den Wertstrom bedeutet gleichzeitig eine Orientierung an Pro-zessen. Innerhalb dieser Prozesse und zwischen den Prozessen wird versucht, die wertschöpfenden Tätigkeiten ‘fließen’ zu lassen, d.h. eine Tätigkeit abgestimmt auf die andere ohne Störung auszuführen. Dabei wird eine im Wertstrom vorgelager-te Tätigkeit erst dann ausgeführt, wenn die im Wertstrom nachgelagerte Tätigkeit erstere benötigt und damit ‘ziehend’, im Pull-Prinzip, anfordert. Sämtliche Prozes-se unterliegen dabei einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Wesentlich für einen erfolgreichen Einsatz dieser Management-Prinzipien sind dabei ein kollabo-ratives Umfeld und eine organisatorische Unterstützung von Kommunikation.

    Eine derartige detaillierte prozessgesteuerte Ablaufplanung lässt sich mit Erfolg auf die Bauwirtschaft übertragen. Die Planung der Planung kann z.B. mithilfe von „Target Value Design“ und den dahinterliegenden Prinzipien des „Value Enginee-ring“ und des „Last Planner System“ optimiert werden. Agile Methoden der Pro-jektsteuerung können positiv verstärkend wirken. Die Planung der Bauausführung lässt sich z.B. ebenfalls mittels des „Last Planner System“ sowie der Methode „Takt-planung“ optimieren. In der Vorlesung Lean Construction Project werden die Stu-dierenden an realen Projekten in verschiedene dieser Methoden eingeführt.

    Ebenfalls unterstützend für alle Phasen des Wertschöpfungsprozesses kann eine Projektabwicklung unter Nutzung des „Building Information Modeling“ (BIM) sein. Von vielen wird BIM häufig noch immer fälschlich beschrieben – als der Einsatz einer Modellierungssoftware. Dies ist insofern richtig, als dass alle Prozesse sich auf ein Modell beziehen, welches grafische und alphanumerische Bauteilinforma-tionen enthält und im Laufe des Planungs- und Ausführungsprozesses detailliert und umgestaltet wird. BIM ist jedoch weit mehr, nämlich die Umsetzung eines Gesamtkonzeptes über sämtliche Wertschöpfungsstufen und viele Beteiligte eines Bauvorhabens. In diesem Konzept werden tradierte Prozesse der Planung und Aus-führung aufgebrochen und mit dem Ziel einer Effizienzsteigerung neugestaltet. Das Planen und Bauen erfolgt in einer auf Ganzheitlichkeit gerichteten Organisa-tionsstruktur, die bisherige Aufgabentrennung wird aufgeweicht und kollaborative Arbeit zwischen definierten Rollen gefördert.

    Schon aus dieser Beschreibung gehen die Synergieeffekte der Methode BIM für das Management-Prinzip der Lean Construction hervor. BIM unterstützt in idea-ler Weise das für LC erforderliche kollaborative Umfeld. Verschiedene sogenannte BIM-Anwendungsfälle vereinfachen andere LC-Methoden, wie z. B. Target Value Design.

    Vor diesem Hintergrund hat sich die Professur AVA/Projektablaufplanung zum Ziel gesetzt, mit den Studierenden der Vorlesungen AVA und Ablaufplanung eine ganzheitliche Projektabwicklung zu simulieren. Dies beginnend mit der Modellie-rung eines Bauobjektes und einer darauffolgenden Ableitung von Leistungsver-zeichnissen aus dem Modell als Voraussetzung des Vergabeprozesses sowie einer weitergehenden Verwendung des Modells zu Simulationszwecken des Ablaufs und zu Soll-Ist-Abgleichen. Erste Schritte in diese Richtung sind erfolgreich absolviert.

    In diesem Zusammenhang ist schließlich ein weiteres wesentliches Handlungs-feld der Professur zu nennen: die Unterstützung der „Third Mission“ der Hoch-schule Karlsruhe. Unter diesem Begriff lässt sich u. a. die Weiterbildung beruflich Tätiger an akademischen Institutionen subsumieren. Die Professur AVA/Projekt- ablaufplanung hat mit weiteren Professuren den Weiterbildungsstudiengang „Buil-ding Information Modeling“ zusammen mit Praxispartnern aus der Bauwirtschaft und der Softwareindustrie ins Leben gerufen und hat hier die Studiengangsleitung inne. Aktuell werden 17 Studierende mit dem Ziel, den Abschluss „Zertifizierter BIM Professional“ zu erreichen, ausgebildet.

    Prof.Dr.Dipl.Wirt.Ing.MichaelKorn

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    Bauverfahrenstechnik, Bautechnik und Unternehmensführung

    von Prof. Dr.-Ing. Alexander Lange

    Die Lehre zu Fertigungsverfahren behandelt die Frage, mit welchen Maschinen, Verfahren und Methoden sich Bauprojekte bestmöglich realisieren lassen?

    Dazu werden innerhalb der Vorlesung Fertigungsverfahren 1 zunächst die we-sentlichen Herstellungsprozesse von Baustoffen (Stahl, Zement, Holzwerkstof-fe) behandelt sowie die Baumaschinen und Verfahren im Spezialtiefbau, Erdbau, Hochbau und Innenausbau. Die Studierenden sollen wissen, welche Baumaschinen es gibt und für welche Bauverfahren die jeweiligen Maschinen einzusetzen sind. Zugleich wird ein technisches Verständnis vom Aufbau der wesentlichen Maschi-nenkomponenten, wie z.B. Hydraulikzylinder, Pumpen und Motoren, und den ver-wendeten Technologien vermittelt, wobei auch die Digitalisierung innerhalb der Baumaschinen eine immer wichtigere Rolle spielt. Vorlesungsbegleitend erarbei-ten die Studierenden in Kleingruppen jeweils ein ergänzendes Thema entlang der Bauverfahrenstechnik und stellen dies den Kommilitonen vor. Theorie und Praxis werden durch Exkursionen ergänzt, wie z. B. die Besichtigung des Produktionszen-trums für Hydraulikbagger von Liebherr, der Tunnelbaustellen bei Stuttgart 21 oder des Projektes Stadtbahntunnel KASIG.

    Ziel ist es, die Grundlagen der wesentlichen Bauverfahren zu verinnerlichen, Prozess- und Produktionsverständnis zu fördern und Einblicke in die Baumaschi-nenindustrie zu ermöglichen. Hierbei geht es weniger darum, was gebaut wird, sondern um die Maschinen und Prozesse, d. h. wie und mit welchen Bauverfahren am effizientesten eine technische Lösung erarbeitet werden kann.

    Die Vorlesungen Baulogistik, Baustelleneinrichtung und Fertigungsverfahren 2 bauen im 4. und 6. Semester auf die Vorlesung Bauverfahrenstechnik auf. Die-se Fächer umfassen mehr als die klassische „Arbeitsvorbereitung“. Es geht um die Produktionsplanung oder Fertigungsplanung, die im Wesentlichen über die Wirt-schaftlichkeit eines Bauprojektes entscheidet. Innerhalb der Baustelleneinrichtung und Fertigungsverfahren 2 lernen Studierende die Erstellung von Baustellenein-richtungsplänen (BE-Plan), die Dimensionierung von Bauverfahren sowie die Opti-mierung von Logistikprozessen, Wegen, Flächen und Baumaschinen. Zusätzlich ist in Kleingruppen an einem aktuellen Projektbeispiel ein BE-Plan zu erstellen und die dafür passenden Baugeräte und Schalungssysteme sind zu dimensionieren. Ziel ist es, zu verstehen, wie verschiedene Bauprozesse mit Verfahren, Maschinen, Res-sourcen und Leistungskennzahlen gesteuert und optimiert werden können. Denn davon hängt bei Planungs- und Bauprojekten in der Realität ab, ob und wie positiv die Gewinnmargen ausfallen werden.

    Bauverfahrenstechnik umfasst Baumaschinen, Fertigungsverfahren und

    digitale Unterstützungsmöglichkeiten

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    Ein seit 2016 dazugekommenes Lehrgebiet von Prof. Lange umfasst die Vor- lesungen internationale strategische Unternehmensführung und internationale Baumärkte. Innerhalb dieses Moduls lernen Studierende die Prinzipien der Unter-nehmensgründung, der Marktanalyse, Führungsprinzipien innerhalb von Start-up- Unternehmen, klein- und mittelständische Unternehmen (KMUs) und internatio-nalen Baukonzernen. Parallel zu den Vorlesungsinhalten können die Studierenden unter zwei verschiedenen fiktiven Fallstudien (z.B. „Dr.-Bagger“ oder „Mc-Bau- Beratung“) eine Studie wählen. Zu diesem Thema ist dann ein Businessplan zu erstel-len und die Ergebnisse inklusive Marktanalyse und internationaler Wachstumsstra-tegie zu präsentieren. Unternehmensführung, ob national oder international, be-zieht sich nicht nur auf die Führung von großen internationalen Konzernen, sondern beginnt bei Start-ups und KMUs. Dies stellt einen interessanten Arbeitsbereich für die Absolventen dar. Zugleich sollen die Studierenden dabei ihre Kreativität und Professionalität fördern, indem sie entlang der Projektstudie trainieren, wie sie ein Planungs-, Bau- oder Dienstleistungsunternehmen gründen, voranbringen und führen würden.

    Weitere von Prof. Lange gehaltene Vorlesungen sind: Baukonstruktion (1. Se-mester), Straßenbau (2. Semester), Vorfertigung (5. Semester) und Bautechnik (mit den Vorlesungen Abdichtung, Schalung, Sanierung, im 6. Semester).

    Der Fokus der Betreuung von Forschungs- und Abschlussarbeiten durch Prof. Lange liegt auf Lean Construction mit dem Schwerpunkt der Fertigungsoptimie-rung. Optimierung hierbei heißt Konzeptionierung, Anwendung und Weiterent-wicklung von Lean-Construction-Methoden, Produktionssystemen für Baufirmen, Maschinen-Prozessketten und die Kombination zwischen Lean Construction, BIM und Industrie 4.0 bezüglich der Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Bauma-schinen.

    Neben dem Vorsitz der VDI-Arbeitsgruppe zu Lean Construction ist Prof. Lange Mitglied im VDI-Fachbeirat für Bautechnik. Des Weiteren publizierte er 2016 das Buch: „Lean Construction, practical insights for innovating construction manage-ment“.

    Prof.Dr.-Ing.AlexanderLange

    Rechtvon Prof. Dr. iur. Andreas Luckey

    Der Studiengang hat der Bedeutung des Rechts im Bereich des Bauwesens durch Einrichtung einer entsprechenden Professur Rechnung getragen. Die erste Beru-fung erfolgte im Jahre 2001. Der jetzige Inhaber lehrt am Studiengang seit dem Jahre 2005.

    Das statistische Bundesamt weist für das Jahr 2016 rund 43.500 vor den Amts-, Land- und Oberlandesgerichten in Deutschland erledigte Gerichtsverfahren in Bau- und Architektensachen (ohne Architektenhonorarsachen) aus.

    Durch das Gesetz zur Reform des Bauvertragsrechts und zur Änderung der kauf-rechtlichen Mängelhaftung (BauVG), das zum 01.01.2018 in Kraft getreten ist, hat der Gesetzgeber bei den Land- und Oberlandesgerichten auf das Baurecht spezi-alisierte Spruchkörper eingerichtet, wodurch er sich eine Qualitätssteigerung der Rechtsprechung in diesem Bereich verspricht. Der Bund hat dem bekanntermaßen durch Einrichtung des 7. Senats am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, der sich im Wesentlichen mit Rechtsfragen aus den Bereichen Werkvertrags- und Architek-tenrecht beschäftigt, bereits seit Jahrzehnten Rechnung getragen.

    Mit dem BauVG hat der Gesetzgeber zum 01.01.2018 zum ersten Mal seit Bestehen des Bürgerlichen Gesetzbuchs seit dem 1. Januar 1900 ein eigenes Bauvertragsrecht, Architekten- und Ingenieurvertragsrecht sowie ein Bauträger-vertragsrecht in das Bürgerliche Gesetzbuch eingefügt und damit im Bereich des

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    9. Titels („Werkvertragsrecht und ähnliche Verträge“) des 8. Abschnitts des 2. Buchs des BGB einer seit langer Zeit erhobenen Forderung Rechnung getragen, diesen Bereichen ein eigenes, ihren Besonderheiten Rechnung tragendes, Ver-tragsrecht in Kraft zu setzen. In diesem Zusammenhang hat der Gesetzgeber auch besondere Regelungen für den „Verbraucherbauvertrag“ getroffen.

    Der Studiengang hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Studierenden vor dem Hintergrund der Bedeutung des Baurechts in der Praxis einen breiten Kanon an Themengebieten im Rahmen des Studiums zu vermitteln. Im Bachelorstudien-gang besuchen die Studierenden im 2. Semester die beiden Vorlesungen Bürger-liches Recht und Öffentliches Baurecht, hier werden erste Grundlagen gelegt. Im 4. Semester hören die Studierenden eine Vorlesung zum Bauausführungsrecht, im 5. Semester eine Vorlesung zum Ingenieurrecht sowie zum Steuerrecht, im 6. Se-mester folgt eine Vorlesung zum Bauvertragsrecht. Jeder Vorlesung folgt am Ende des Semesters eine schriftliche Prüfung. Die Studierenden haben die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeit im Bereich des Baurechts zu schreiben.

    Im Masterstudiengang vertiefen die Studierenden ihre Kenntnisse im Bereich des Baurechts im Rahmen der Vorlesung National and International Construction Law. Der Studiengang hält es für erforderlich, den Studierenden auch Rechtskenntnis-se in Gebieten zu vermitteln, die das Berufsleben im Wirtschaftsbereich „Bauen“ begleiten. Deshalb besuchen die Studierenden des Masterstudiengangs die Vorle-sungen Unternehmensrecht und Arbeitsrecht und haben die Möglichkeit, aus dem Wahlpflichtfachbereich die Vorlesung Internationales Steuerrecht zu hören. Alle Vorlesungen schließen auch hier am Ende des Semesters mit einer schriftlichen Prüfung. Masterabschlussarbeiten im Bereich des nationalen und internationalen Baurechts komplettieren das den Studierenden unterbreitete Angebot.

    Den Studierenden wird im Rahmen fachspezifischer Exkursionen Gelegenheit gegeben, praxisnah (bau-)rechtliche Verfahren kennenzulernen. Der Besuch der International Chamber of Commerce (ICC) in Paris oder des Europäischen Ge-richtshofs in Luxemburg stehen dafür nur beispielhaft.

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    Entwerfen und Konstruieren: Baustatik und Holzbauvon Prof. Dr.-Ing. Robert Pawlowski

    Tragwerke zu planen, also die tragende Struktur von Bauwerken zu gestalten, ist eine äußerst kreative, fordernde, vielfältige und verantwortungsvolle Aufgabe. Tragwerksplaner entwerfen und konstruieren räumliche Systeme, die im Stan-de sind, alle auf das Bauwerk einwirkenden Lasten sicher, dauerhaft, zuverlässig aufzunehmen und zum Baugrund abzuleiten (Tragfähigkeit und Standsicherheit). Dabei soll die Nutzung nicht über Maß beeinträchtigt werden, z. B. durch zu große Verformungen oder unangenehme Schwingungen (Gebrauchstauglichkeit). Das Tragwerk und sein Entwurf werden durch technische Kriterien, wie Brand-, Schall-, Wärme-, Gesundheit- und Umweltschutz, sowie Anforderungen an Ökologie und Ökonomie (Nachhaltigkeit) geprägt. Nicht zuletzt muss das Tragwerk formalem Anspruch genügen (Baukultur).

    Um dieser komplexen Aufgabe gerecht zu werden, müssen die künftigen Inge-nieure, neben einem fundierten technischen Wissen (Materialkunde, Mechanik, Statik, Dynamik, Bemessung etc.), über breit gefächerte Kenntnisse und Fähigkei-ten verfügen, Kraftfluss nachvollziehen und beurteilen (Tragwerkslehre), tragen-de Strukturen effizient und nachhaltig gestalten (Entwerfen und Konstruieren) können, ohne dabei die baukulturelle Verantwortung aus den Augen zu verlieren (Grundlagen der Architektur, Baugeschichte).

    Diese vielfältigen Anforderungen und der durch die Einführung von Building Information Modeling (BIM) bevorstehende Umbruch in der Projektbearbei-tung werden eine interdisziplinäre Planung noch weiter stärken und unabdingbar machen. Die Grundlagen dafür werden gegenwärtig mit der Erarbeitung von Regelwerken und Richtlinien für die digitale Planung (BIM) geschaffen. Hoffent-lich in einer Form, die die Kreativität im Entwurfs- und Planungsprozess unter-stützt und die fachübergreifende Kommunikation zwischen den am Bau Beteilig-ten vereinfacht.

    Lehre in der Baustatik: Kraftfluss – Form – FunktionAus der Geschichte lernen, um neue Wege gehen zu können.

    Hier wird Basiswissen über Begriffe und Methoden der Statik und die wichtigsten Tragsysteme erarbeitet sowie die Einbindung der lastabtragenden Elemente, d.h. des Tragwerks, in den Gesamtzusammenhang eines Bauwerkes dargestellt. Dazu werden praxisbezogene statische Berechnungen sowohl von Hand als auch mithil-fe von Computerprogrammen durchgeführt. Durch Versuche mit Tragwerksmo-dellen und durch Beispiele aus der Geschichte und Gegenwart wird die statische Wirkungsweise der Tragsysteme veranschaulicht und die baukulturelle Verantwor-tung verdeutlicht.

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    Lehre im Holzbau Um dem Klimawandel entgegen zu wirken, müssen im Bauwesen nachhaltige,

    energie- und kohlenstoffeffiziente Materialien verstärkt Anwendung finden. Mit dem Einsatz von Holz und Holzwerkstoffen wird ein wichtiger Beitrag dazu geleis-tet. Holz und Holzwerkstoffe verfügen über einige sehr günstige Eigenschaften für die Anwendung im Bauwes